Vom umstrittenen Maskottchen bis zum Skandal um die Vergabe des Werbeetats – Berlins Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 ist eine Geschichte der Querelen und Pannen. Dies hat mittlerweile zu einer deutlichen Verstimmung potentieller Sponsoren geführt. Nach einer Umfrage des Münchner Branchendienstes Sponsor News herrscht derzeit unter den umworbenen Sponsoren überwiegend die Stimmung: "Olympia Berlin? – Nein danke." So hält etwa Allianz-Marketingchef Dirk Naumann das Umfeld für zu "problematisch".

Der frisch bestallte Geschäftsführer der Berlin 2000 Marketing GmbH, Nikolaus Fuchs, muß hart arbeiten, um vertanes Vertrauen wiederzuerlangen. Selbst der Siemens-Konzern, der sich bereits zu einem Engagement verpflichtet hat, fühlt sich durch die Querelen eher "abgeschreckt" und will sich, wie Fritz Schneider, Leiter der Firmen-Werbung des Elektroriesen, bei der Umfrage verriet, vorläufig "nur reserviert" beteiligen. Fuchs glaubt trotzdem, bis zum Jahresende "30 bis 40 Konzerne" als Olympiaförderer ködern zu können.

Ein Umsatzopfer von zwei Milliarden Mark muß die Raab Karcher AG auf dem Altar der Veba-Konzernraison erbringen. Im Rahmen einer von Veba-Chef Klaus Piltz verordneten Umorganisation gibt das in Essen ansässige Handelsunternehmen das Heizölgeschäft an die Veba Oel AG ab; die Schiffahrtsinteressen sowie der internationale Kohlehandel fallen an die Schwestergesellschaft Stinnes. Vier Milliarden Mark. Umsatz und 1330 Mitarbeiter gehen dabei flöten. Aber Mutter Veba nimmt nicht nur, sie gibt auch. So erbt Raab Karcher von Stinnes 3500 Beschäftigte und zwei Milliarden Mark Umsatz. Schwerpunkt ist dabei der Baustoffhandel.

Schmerzhafter als der Umsatzverlust ist wohl eine kleine Gewinneinbuße. Aber für Raab-Karcher-Chef Helmut Mamsch ist das alles kein "Thema von Siegern und Besiegten". Wenn es dennoch eines Trostes bedürfen sollte, kann Raab Karcher die Aufwertung innerhalb des Veba-Konzerns auf der Haben-Seite verbuchen. Bisher war das Unternehmen Tochter von Veba-Oel, nun wird es direkt der Veba unterstellt. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, daß Mamsch – wie alle anderen Stammes-Herzöge auch – in den Vorstand der Veba einzieht.

Die Atomgemeinde scheint ihren eigenen Verlautbarungen zu mißtrauen. Zwar versuchte der Informationskreis Kernenergie noch vor einem halben Jahr, den Eindruck zu erwecken, die Deutschen seien in Wirklichkeit ein Volk von Atomfans. Dennoch läßt der Verein von Kraftwerksbauern und -betreibern nichts unversucht, die Akzeptanz der umstrittenen Energiequelle zu erhöhen. Als neuester Kronzeuge für die angebliche Unentbehrlichkeit des Atomstroms muß nun der Club of Rome herhalten, der 1972 mit seinem Bericht über die Grenzen des Wachstums Aufsehen erregte. Die Bonner Atomlobby verteilt die jüngste Schrift des honorigen Vereins – Ladenverkaufspreis sechs Mark – kostenlos an Interessenten. Begründung: Selbst diese unverdächtigen Zeugen plädierten mittlerweile für den Erhalt und Ausbau der Kernenergie – eine ziemliche Übertreibung.

Zwar steht in dem 130seitigen Bericht ("Die globale Revolution") tatsächlich, wegen des bei der Verbrennung von Kohle und Öl angefachten Treibhauseffekts gebe es "triftige Gründe" dafür, "die nukleare Option offenzuhalten und schnelle Brüter zu entwickeln". Doch die Autoren scheinen die Schwäche ihres Arguments selbst zu spüren: "Allerdings müssen wir darauf hinweisen, daß die Wahl dieser Option nur eine Teillösung bringt."

In Luxemburg ist man derzeit nicht gut auf Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger zu sprechen. Zum Thema Sitz der Europäischen Zentralbank sagte er vor der Internationalen Vereinigung der Devisenhändler in Luxemburg, Forex: "Kein anderer Platz eignet sich besser als Frankfurt." Die Gastgeber waren brüskiert. Hatte sich doch Luxemburg im Kampf um den Bankensitz in den vergangenen Monaten ganz besonders hervorgetan. Das kleine Großherzogtum hofft schließlich, mit der Europäischen Zentralbank seine Rolle als EG-Finanzzentrum weiter ausbauen zu können. Sogar ein Gelände haben die Luxemburger schon reserviert. Premierminister Jacques Santer warb denn auch Anfang Januar offiziell für sein Land: "Als kleinster Mitgliedsstaat der Gemeinschaft bietet Luxemburg einer Europäischen Zentralbank, die dazu berufen ist, wichtige wirtschaftliche und monetäre Verantwortung wahrzunehmen, optimale Arbeitsbedingungen in voller Unabhängigkeit."