Churchill weinte an seinem Grab, und Wolfgang Koeppen sagte über ihn: „Wir wollen Lawrence aufnehmen in die Bruderschaft der gestürzten Engel, der Frühgestorbenen, der Frühvollendeten, der Frühwahnsinnigen, der Frühermatteder ...“ Er ist eine der legendären Figuren dieses Jahrhunderts.

Beinahe dreißig Jahre nach der Erstaufführung 1962 ist endlich die ungekürzte Fassung von David Leans desert-movie über ihn in die Kinos gekommen. Zeit, wieder einmal daran zu erinnern, daß Lawrence von Arabien nicht Peter O’Toole ist, sondern der Verfasser eines der aufregendsten Bücher, die je über Arabien geschrieben wurden. „Die sieben Säulen der Weisheit“, sein Bericht über die Jahre 1916 bis 1918, in denen er den Aufstand der Araber gegen das Osmanische Reich anführte, ist das Buch nicht zu, sondern vor dem Film, ein Abenteuer-, ein Kriegs-, ein Rechtfertigungsbuch, dessen 850 Seiten kaum ausreichen, um das Geschehen zu erfassen.

Schon vor Kriegsausbruch hatte T. E. Lawrence bei archäologischen Arbeiten über Kreuzfahrerburgen und Hethiter-Städte im Gebiet der heutigen Staaten Syrien, Libanon und Israel umfassende Kenntnisse des Landes, der Sprache und aller arabischen Gesellschaftsschichten erworben. Diese Kenntnisse nutzte und vertiefte er als Geheimagent wie als offizieller Verbindungsoffizier zwischen den aufständischen Beduinen und dem britischen Oberkommando in Kairo. „Die sieben Säulen der Weisheit“ sind mit der Beobachtungsgabe des Archäologen und des Geheimdienstmannes geschrieben, für die jedes Detail zu erkennen und einzuordnen erfolgsnotwendig ist.

Lawrence mußte sich in die Bräuche und Psyche der nomadisierenden Beduinenstämme versetzen, die es für den arabischen Freiheitskampf zu gewinnen und zugleich als Verbündete der britischen Großmacht zu manipulieren galt. Lawrence verbindet Landschaftsschilderungen von hoher Anschaulichkeit mit analytischen Passagen zu Religiosität, Sitten und Lebensgewohnheiten der arabischen Stämme, verknüpft selbstquälerisch grübelnde Gedankengänge mit der Darstellung der kriegerischen Aktionen und Gewaltmärsche, in denen er sich bis zur physischen und psychischen Zerstörung forderte.

Folterungen, die er in Gefangenschaft erleiden mußte, die Erschöpfung nach der übergroßen Anstrengung sowie die Enttäuschung über die politische Niederlage des arabischen Freiheitskampfes – Frankreich und Großbritannien teilten sich 1919 die Vorherrschaft im Nahen Osten – veranlaßten Lawrence, sich unter dem angenommenen Namen T. E. Shaw als einfacher Soldat in die britische Air Force zurückzuziehen.

Er übersetzte die Odyssee und einen französischen Roman und machte einige bahnbrechende Entdeckungen als Schiffsbauer, 1935 verunglückte er 48jährig tödlich mit dem Motorrad. Der List-Verlag hat „Die sieben Säulen der Weisheit“ 1991 in einer preiswerten Neuauflage herausgebracht. Allen, die dann immer noch mehr über Lawrence wissen wollen, sei die biographische Studie aus dem gleichen Verlag empfohlen. Tobias Gohlis

  • T. E. Lawrence: