Vor einem Jahr zählte die EEP-Elmet GmbH zu den Raritäten im deutschen Osten. Im Eingang des Unternehmens hing eine meterhohe Tafel, auf der schwarze Lettern verkündeten: „Wir stellen ein“. Dann folgte eine stattliche Liste von gesuchten Fachkräften. Die Tafel, die damals dem tristen Portal des schmucklosen Betonbaus einen Hauch von Optimismus verlieh, ist längst verschwunden (siehe Dossier vom 8. März 1991, ZEIT Nr. 11).

Zum 31. Dezember hat das Unternehmen 200 Beschäftigte entlassen. In den Produktionsräumen, die 80 Arbeitskräften Platz bieten könnten, bestücken gerade 49 Leute elektronische Leiterplatten, bauen elektrische Schaltungen, Relais und Schaltschränke. „Der Markt in den neuen Ländern ist völlig zusammengebrochen“, sagt Peter Polky aus der Geschäftsführung der EEP-Elmet GmbH.

„Ich habe nicht gedacht, daß es so tief runtergeht“, meint Hubert Ostmeier, ein diplomierter Elektroingenieur aus dem Westen, der im August 1990 bei der Elmet GmbH, einem früheren Betrieb des ehemaligen Kombinats Elektro-Apparate-Werk Treptow, eingestiegen ist. Ostmeier ist einer der noch wenigen westdeutschen Manager, die bald nach der Wende in den Osten gingen, um dort mit ihrem technischen Wissen, ihren Marktkenntnissen und Kontakten den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Daß dieser Sprung beinahe im freien Fall endete, hatte der knorrige Westfale nicht erwartet.

Er kaufte nicht die Elmet GmbH, die aus dem ehemaligen Kombinat hervorgegangen war, sondern gründete auf deren Gelände die EEP-Elmet GmbH, eine neue Gesellschaft, die von dem alten Unternehmen zwar Gelände, Gebäude und Maschinen, aber nicht die damals 500 Beschäftigten übernahm. Ostmeier wollte damit verhindern, daß er für die nicht benötigten Arbeitnehmer bei deren Entlassung Abfindungen zahlen mußte. Der Trick hatte vor dem Arbeitsgericht keinen Bestand. Ostmeier mußte Abfindungen zahlen.

Seine vor fast zwei Jahren entwickelte unternehmerische Idee, die nicht für das Kerngeschäft nötigen Teile aus dem Betrieb auszugliedern und in eigenständige Firmen umzuwandeln, hält Ostmeier unverändert für richtig. Sie wird mittlerweile von vielen Unternehmen der Treuhand praktiziert. Die Instandhaltungsabteilung des ehemals volkseigenen Betriebs wandelt er in die Baufirma Complex um, den Fuhrpark übernahm ein Mitarbeiter und avancierte zum Spediteur.

Den ausgegliederten Firmen geht es besser als dem eigentlichen industriellen Kern. „Ich habe erwartet, daß die industriellen Investitionen im Osten schneller greifen und unser Geschäft damit in Schwung kommt“, meint Ostindien. Weit gefehlt. Obendrein ging noch den angestammten Kunden im Osten die Puste aus.

So hatte die EEP-Elmet mit der Firma Junkalor in Dessau, die unter anderem meßtechnische Geräte herstellt, einen Liefervertrag über elektronische Leiterplatten im Wert von sieben Millionen Mark geschlossen. Die Leiterplatten sollten in 6500 Abgastestgeräte eingebaut werden, die Junkalor in die Sowjetunion liefern wollte. Dieses Geschäft scheiterte, weil es keine Bürgschaft für die Schulden des sowjetischen Abnehmers gab.