Die Gazetten hatten Grund zum Jubeln. Der Medaillenspiegel zeigte das vereinte Deutschland als erfolgreichste Nation der olymischen Winterspiele. Doch die Freude von Funktionären und Sponsoren war gedämpft, denn gewonnen hatten die „falschen“ Athleten. Nicht die „Wasis“ und „Katjas“ von der imageträchtigen Zunft der alpinen Skifahrer hatten Edelmetall angehäuft, sondern unbekannte Biathleten und Eisflitzer aus Thüringen. Mit Schlittschuhen oder Jagdflinten allerdings ist kein Geschäft zu machen. Vergebens hatten denn Skihersteller und Sportartikelhändler nach drei mageren Wintern auf einen kräftigen Schub aus Albertville gesetzt.

Möglichst schnell will jetzt Klaus Scheck, Deutschlands größter Sportartikelhändler und Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), aus dem „äußerst unbefriedigenden“ Abschneiden seiner alpinen Verkaufsförderungstruppe Konsequenzen ziehen. Nicht nur Ausrüster, sondern auch branchenfremde Sponsoren sollen künftig die „irrsinnig langen“ Sportübertragungen durch Aufkleber auf Anoraks und Skiern für ihre Imagewerbung nutzen. Da hätten auch wieder die braven Biathleten ihre Daseinsberechtigung im Sportkommerz – schließlich ist es egal, wer das Logo von Müller-Milch oder Coca-Cola durch den Bildschirm schiebt. dhl