Keine Woche vergeht, in der Israels Ministerpräsident Jitzchak Schamir nicht betont, er werde keinen Fußbreit vom „ewigen jüdischen Vaterland“ weichen. Für die amerikanische Regierung wird damit deutlich: Einen Kompromiß mit Jerusalem kann es in dieser Frage nicht geben. Entweder verzichtet Israel auf die geforderte Zehn-Milliarden-Bürgschaft oder auf die weitere Kolonisierung der besetzten Gebiete.

„Einmischung in die inneren Angelegenheiten“, empört sich Schamir. Das Argument klingt hohl: Was wäre denn eine finanzielle Förderung der israelischen Expansionspolitik durch Washington anderes, nur umgekehrt? George Bush befindet sich in einer komfortablen Lage: Juristisch kann er seine Härte mit den UN-Resolutionen rechtfertigen; moralisch kann er sich zum Friedensanwalt, aber auch zum Fürsprecher der Sowjetjuden machen, denen Israel ein Heim bieten muß, will es nicht ein Staatsziel verraten; wirtschaftlich schließlich weiß der amerikanische Präsident jene Mehrheit von Israelis hinter sich, die nicht bereit sind, für den Großisraeltraum einiger Falken ihren Wohlstand noch weiter bröckeln zu sehen.

Es trifft sich gut, daß im Gelobten Land Wahlen anstehen. Das Volk selbst könnte Schamir die Entscheidung, die er nicht treffen will, abnehmen.

F.G.