In deutschen Amtsstuben, das hören wir nun beinahe täglich neu, nistet die Korruption. Schmiergelder fließen aus den namhaftesten Häusern, Diener des Staates, uns allen einst als leuchtende Vorbilder vor Augen, zeigen sich vielfach Verlockungen zugänglich, sehen stellenweise im Dutzend ihrer verdienten Uberführung entgegen. Überall im Lande registrieren wir die Symptome des Sittenverfalls; nicht einmal vor dem Rot der Ampel, so scheint’s, haben die Leute noch Respekt.

Ist Deutschland eine Bananenrepublik? Seit die Frage vor anderthalb Jahrzehnten vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Kohl zum erstenmal im Deutschen Bundestag zur Diskussion gestellt worden ist, will sie nicht mehr verstummen. Doch fehlt ihrer Behandlung bislang die rechte Systematik. Das Versäumte sei hiermit nachgeholt.

Zunächst zum Grundsätzlichen, der Banane als solcher. Die bis etwa zwanzig Zentimeter lange, bis vier Zentimeter dicke, mit einer leicht entfernbaren gelben Schale umhüllte Frucht der Pisangpflanze, von aromatischem Geschmack, nahrhaft durch viel Stärke und Zucker, reich an Mineralien und Vitaminen, gut verdaulich und der maladen Niere als Diät bekömmlich, dieser auch Adams-, Paradies- oder Pisangfeige genannte Import aus fernen Kontinenten ist unter der Bezeichnung Banane weithin populär geworden.

Warum sie sich seit langem schon einer innigen Affinität zu. deutschem Wesen rühmen darf, das ist eine genauso vertrackte Frage wie jene im deutschen Liedgut früh gestellte, warum die Banane krumm sei, obwohl sie doch gar nicht krumm ist, sondern allenfalls als leicht gebogen zu bezeichnen, was sich aber schwerer reimt. Einer Antwort nähergekommen sind wir immerhin, seit seinerzeit der Außenverteidiger Manfred Kaitz vom HSV seine Spezialflanke ins Spiel brachte, die sogenannte Kaltz-Banane, die jeweils dann zum sicheren Erfolg geriet, wenn Kaltzens Mitspieler Horst Hrubesch mittels Kopf die ballistische Spezialbananenkurve des Balles jäh ins gegnerische Tor verlängerte.

Aber begründet die Bananenflanke das besondere Verhältnis der Deutschen zu dieser exotischen Frucht? Natürlich nicht. Der Stoßseufzer "Ausgerechnet Bananen", zwar einem angelsächsischen Schlager entlehnt, aber in der Übersetzung dem deutschen Tiefsinn ganz und gar anverwandelt, stammt aus Zeiten, in denen wir an die Kaltz-Flanke noch gar nicht dachten. Schließlich hat ja die Paradiesfeige auch noch andere Plätzchen in der deutschen Geschichte als das Fußballfeld. Ausgerechnet die Banane wurde zur populärsten Frucht der Wende, ja fast zu ihrem Symbol, als sich 1989 die Grenzen öffneten, war sie doch, anders als anderes Obst, im real existierenden Sozialismus vor der Tür geblieben und bei seltenem Auftauchen gleich wieder als Bückware unter den Ladentisch verschwunden.

Die Frage, ob somit die DDR an ihrem Ende gewissermaßen auch eine Bananenrepublik geworden sei, ist freilich eine Frage auf unsicherem Grund, bei der man so leicht ausrutscht wie auf der Bananenschale. Aber was ist überhaupt eine Bananenrepublik? Eine nicht ganz gerade, eher krumme Sache, soviel scheint sicher. Lange hingen wir ja dem Glauben an, der Begriff verbinde sich unauflöslich mit jenen mittelamerikanischen Staaten, in denen einst die berüchtigte United auch Company neben Bananenanbau und -handel auch sonst noch einiges kontrollierte. Da gibt es hübsche Geschichten in den Archiven nachzulesen, die seither an Frische nicht verloren haben. Gemauschelt wurde eben schon immer, jedenfalls dort, wo die Bananen wachsen.

Daß sie nur in fernen Ländern wüchsen, erkennen wir nun als Irrtum. In München, wo sich derzeit am eindrucksvollsten der alte Brauch bestätigt, daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten und die eine Hand die andere wäscht, war einst die Rede davon, daß vielleicht künftig in Alaska Orangen zu züchten sein würden. Warum sollte nicht schon heute in Deutschland die Banane, etwa im alpinen Klima, gedeihen? Man sieht doch, daß es geht. Bernhard Wördehoff