Immer wenn in diesem unserem Land darüber diskutiert wird, wie gut der „Standort D“ wirtschaftlich noch ist, ob die Bundesrepublik Deutschland unmittelbar vor einer Wirtschaftskatastrophe steht oder sich durch einen mutigen Schritt nach vorn in mehr Arbeit und weniger Lohn noch retten kann, gehen bei der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) aus aller Welt irritierte Anfragen ein.

Direktionsassistent Dr. Günter P. stellt einige davon exemplarisch zur Diskussion.

„Ich habe hier mehrere Anfragen von polnischen Unternehmern“, sagt Kollege L., der aus dem Saarland stammt, „die schreiben, ihnen sei nicht klar, ob es in der Bundesrepublik Deutschland jetzt um eine Verbesserung des Wirtschaftsstandorts durch längere Maschinenlaufzeiten oder um eine Verlängerung des konjunkturellen Aufschwungs durch verbesserte Maschinenleistungen geht.“

„Immer werden wir mißverstanden“, seufzt die Runde. „Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klose hat ganz klar von einer Verbesserung des Wirtschaftsstandorts durch eine Verlängerung der Maschinenlaufzeiten gesprochen. Flexibilisierung der Arbeitszeit zur Konsolidierung des Wirtschaftsstandorts!“

„Klar“, sagt L. „Aber wenn das so ist, möchten diese polnischen Unternehmer gern wissen, ob der Wirtschaftsstandort D nicht schon jetzt ausgezeichnet sei, warum wir ihn noch weiter verbessern müßten und ob unsere Unternehmer vielleicht den Standort D insgesamt mit dem Standort P vertauschen möchten, mit allem, was dazugehört?“

„Niemand“, seufzt die Runde, „versteht uns und unsere Sorgen.“

„Ich“, sagt Kollege G., „habe eine Anfrage von einem indischen Gewerkschaftler. Er schreibt, er habe gelesen, daß ein deutscher Gewerkschaftler gesagt habe, die Bundesrepublik Deutschland gehöre zu den Ländern mit den unsozialsten und inhumansten Arbeitszeiten. Wenn er das wirklich gesagt habe, möchte er den deutschen Kollegen mal nach Indien oder auf eine Tour durch Asien einladen, und vielleicht könnte man dort die unsozialen und inhumanen deutschen Arbeitszeiten einführen. Da würden Millionen von Menschen sich freuen.“