Ein Hotel im Moor. Sein Vorbild stand in einer Kino-Wüste. Die Ich-Erzählerin des Romans (und Enkelin der einstigen Filmbesucherin, die, beeindruckt vom Zelluloid-Hotel, eines in der Wirklichkeit baute) beschreibt, im lakonischen Monolog einer dem Schicksal Ergebenen, Verfall und Untergang eines Hauses. Ein Abgesang auf alle Träume. Einst war das Hotel „Splendid“ in der ersten, jetzt gehört es in die letzte, billigste Kategorie. Es sollte der Erbin und deren Schwestern (ewig krank die eine, gescheiterte Schauspielerin die andere) Existenz und Alter sichern, ist inzwischen aber nur noch eine kostenverschlingende feuchte Absteige. Nur die Eisenbahngesellschaft und ihr aberwitziger Plan, eine Strecke durchs Moor zu führen, hält den Hotel-Betrieb aufrecht. Aber der Bahndamm versinkt, die Gäste bleiben aus. Das Moor, düster und herrisch, verlockend und verschlingend, bezwingt alle hochfahrenden menschlichen Ideen. Weder Bahn noch Hotel haben hier einen Ort, selbst die Toten finden keine Ruhe. Am Ende von Marie Redonnets Roman „Hotel Splendid“ (aus dem Französischen von Andrea Spingier; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991; 127 S., 28,– DM), am Ende der rat- und rastlosen Rede über die Kette der Lebens-Katastrophen steht allein die Schönheit des weißen Schnees auf dem dunklen Moor. Und das Schweigen angesichts der Vergänglichkeit. Manuela Reichart