Von Gunter Hofmann

Bonn, im Februar

Feiern will er, daß die Heide wackelt. 65 wird man nur einmal. Die Prager Philharmoniker geben ein Benefizkonzert für das Geburtstagskind. In Halle. Natürlich.

Bis dahin wird Hans-Dietrich Genscher auch schon wieder vergessen haben, wieviel Kritik derzeit auf ihn einhagelt. Er hat einen schweren Fehler gemacht mit der UN-Menschenrechtskonferenz. Sich zuerst heiß darum bemühen und dann kühl darauf verzichten, das geht nicht.

Die SPD, die Genscher schätzt, sagt es sogar noch ein bißchen schärfer als die CDU, die von Kohl gebremst wird, denn der Außenminister hat sich in der Sache natürlich rückversichert beim Kanzler. Sogar aus der FDP hört man zart mosernde Stimmen.

Ungewöhnlich ist die Geschichte vor allem deshalb, weil Genscher, der am 17. Mai 1974 Außenminister im ersten Kabinett Helmut Schmidts wurde, selten ein eindeutiger Lapsus passiert.

Aber könnte es nicht sein, daß sich gerade deshalb jetzt Fehler einstellen? In diesem Fall zum Beispiel hat der Minister eine Entscheidung getroffen, die undurchdacht gewesen sein muß. Die allgemeine Berlin-Euphorie beschwingte ihn obendrein. Im Eifer des Gefechts überhörte er die Einwände. Im Auswärtigen Amt aber wird alles sehr schnell Gesetz, was „der Minister“ will. Das ist nach achtzehn Jahren eben so.