Das Credo der Markttheoretiker läßt keinen Zweifel zu: Monopole gehören abgeschafft. Weil sie nicht die Peitsche des Wettbewerbs spüren, neigen sie zum Schlendrian. Außerdem sind sie träge und produzieren viel zu teuer. So steht es in jedem Lehrbuch.

Das Postunternehmen Telekom wird oft und gerne als Beispiel für die Sünden in einer ansonsten doch weitgehend unbefleckten Marktwirtschaft zitiert. Wie plausibel erscheint da die Initiative von Postminister Christian Schwarz-Schilling, in seinem Bereich endlich mit diesem ordnungspolitischen Frevel Schluß zu machen. Er will den Staatskonzern privatisieren. Doch das braucht seine Zeit und zuvor noch den Segen der Sozialdemokraten. Schneller kommt der Postminister mit einem anderen Plan voran: Er knackt das jahrzehntelang geltende Fernmeldemonopol der Post. Seine Devise: Wettbewerb soll die Regel werden, das Monopol die begründete Ausnahme.

Ein Meilenstein auf dem Weg zum Ziel sind die Beschlüsse des Postministers, der Telekom beim zukunftsträchtigen Mobilfunk private Rivalen zu verschaffen. Nur so, glaubt er, geht die Verbreitung von Funktelephonen, heutzutage fast nur in Autos zu finden, schnell genug voran. Derzeit ist der komfortable Service wegen seiner stattlichen Preise noch einer kleinen, exklusiven Minderheit vorbehalten. Mit einer neuen, digitalen Technik ausgestattet, sollen die Geräte künftig nicht nur handlicher, sondern auch billiger werden. Die Industrie hofft auf einen boomenden Massenmarkt.

In der Vergangenheit war die private Wirtschaft von diesem vielversprechenden Geschäft schlicht ausgeschlossen. Sie durfte zwar die Geräte liefern, nicht aber ein Fernmeldenetz betreiben, um damit für andere das gesprochene Wort, Daten oder Texte zu übertragen. Der wachsende Gebührensegen blieb ihr mithin vorenthalten.

Bis Mitte der achtziger Jahre profitierten davon ausschließlich, übrigens in fast ganz Europa, die Fernmeldemonopolisten, meist in staatlichem Besitz. Das war vor allem den amerikanischen Handelspartnern ein Dorn im Auge. Soeben haben sie wieder die Europäische Gemeinschaft ultimativ aufgefordert, ihre Telemärkte weiter zu öffnen. Ansonsten drohten Sanktionen. Dabei machen Brüssels Bürokraten den Mitgliedsstaaten bereits seit 1986 Druck.

Großbritannien setzte sich an die Spitze der Liberalisierungsbewegung. Fortan war das Land ein Eldorado der Deregulierer nach amerikanischem Vorbild. Allerdings gilt der radikale Kurs in England mittlerweile längst nicht mehr als nachahmenswert. In London vergaß man offensichtlich, daß das Land viel kleiner ist als die Vereinigten Staaten. In einer Art Lizenzrausch erhielten jedenfalls gleich eine ganze Reihe von Unternehmen den Zuschlag – zu viele. Etliche Mitspieler haben sich mittlerweile wieder zurückgezogen oder sitzen in der finanziellen Klemme. Von keinem ist bekannt, daß er Geld verdient.

Schwarz-Schilling vergab hierzulande Ende 1989 – etwas vorsichtiger – zunächst nur eine Lizenz für den Betrieb eines privaten Mobilfunknetzes; dennoch war es ein Paukenschlag, der weltweit Aufmerksamkeit erregte. Der damals noch glückliche Gewinner der wohl teuersten Ausschreibung in der deutschen Industriegeschichte war eine Unternehmensgruppe unter der Führung des Mischkonzerns Mannesmann.