Nach einer längeren Seitwärtsbewegung ist der Deutsche Aktienindex (Dax) über die Marke von 1700 hinausgeschossen und hat sogar kurzfristig die psychologisch wichtige Widerstandslinie von 1730 durchstoßen. Von einem nachhaltigen Durchbruch kann jedoch noch keine Rede sein. Dazu fehlen offensichtlich die fundamentalen Voraussetzungen. Die Konjunkturdaten geben vorerst nur wenig Anlaß für Zuversicht. Wenn überhaupt Optimismus aufkommt, gründet er sich auf Hoffnungen, in den USA würde sich schon bald wieder Wirtschaftswachstum einstellen. Der feste Dollar, so ist in den Börsensälen zu hören, sei ein Vorläufer.

Immerhin hat das auf dem deutschen Aktienmarkt bereits dazu geführt, daß sogenannte zyklische Werte wieder mehr beachtet werden. So sind die Kurse der Chemie-Aktien, der Maschinenbauindustrie und des Grundstoffsektors in den vergangenen Wochen stärker gestiegen als der Dax.

Verursacher des jüngsten Kursaufschwungs am deutschen Aktienmarkt dürften in erster Linie die Fonds gewesen sein. Daneben hat es aber auch Kaufaufträge aus dem Ausland gegeben. Ihr Volumen war allerdings zu gering, um tendenzprägend zu sein. Immerhin steht fest, daß der Markt noch längst nicht „überkauft“ ist, sondern daß Rückschläge dazu genutzt werden, die Bestände aufzustocken. Liquidität dafür ist reichlich vorhanden.

Daß sich das Klima insgesamt gebessert hat, zeigt sich im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung der Allianz AG Holding, die immerhin etwas mehr als eine Milliarde Mark vom Kapitalmarkt erfordert. Auch wenn davon mehr als die Hälfte von den Großaktionären aufzubringen ist, zählt diese Emission zu den großen dieses Jahres. Sie hat den Anstieg des Allianz-Kurses nicht hemmen können; er setzte sich auch nach Bekanntgabe der Konditionen fort.

Positiv überrascht haben auch die jetzt veröffentlichten Viag-Zahlen für 1991, die eine weitere Anhebung der Dividende von 8,60 auf 9 Mark erlauben. Wenn den Prognosen der Analysten zu trauen ist, dürfte dieser Satz noch nicht das letzte Wort sein, denn sowohl für dieses Jahr als auch für 1993 sind weitere Ergebnissteigerungen je Aktie angesagt. Dies gilt übrigens auch für die Veba, wie überhaupt Versorgungswerte von vielen Banken als aussichtsreiche Investments bezeichnet werden.

Bei den Bankaktien setzte sich keine eindeutige Tendenz durch. Es wird bezweifelt, daß es bei der Mehrzahl der Institute in diesem Jahr ein nennenswertes Gewinnwachstum gibt. K. W.