Von Bartholomäus Grill

Kapstadt, im Februar

Frederik Willem de Klerk hat dramatische Tage hinter sich. Eine böse Wahlschlappe, Krisenrunden, eine stürmische Sitzung im Parlament zu Kapstadt – die Ereignisse überschlugen sich. Am Präsidenten Südafrikas sind sie offenbar spurlos vorübergegangen. Gelassen, aufgeräumt, ja heiter tritt er vor die Presse. Er wirft einen kurzen, scharfen Blick in die Augen der Kameras, spricht ein paar nette Worte in Afrikaans und kommt dann in Englisch zur Sache. Der Präsident ruft die Weißen an die Urnen, und womöglich werden sie zum letzten Mal in der Geschichte ihrer Republik deren Geschicke allein bestimmen.

Am 17. März soll die weiße Minderheit in einem Referendum entscheiden, ob sie de Klerk auf dem beschwerlichen Weg in ein neues Südafrika weiterhin folgen will. Der „Moment der Wahrheit“ sei gekommen, sagt der Präsident. Bedächtig liest er die Frage an die Wähler vor, eine Frage, in der er von sich in der dritten Person spricht: „Unterstützen Sie die Fortsetzung des Reformprozesses, den der Staatspräsident am 2. Februar 1990 eingeleitet hat und der eine neue Verfassung auf dem Wege von Verhandlungen anstrebt?“

So soll die Formulierung nach dem Willen der Nationalen Partei (NP) lauten. Sie regiert die Burenrepublik seit 1948 ununterbrochen, hat die Apartheid erfunden und will sie nun unter der Führung de Klerks wieder abschaffen. Der große Reformer hat sein politisches Schicksal mit der Volksbefragung verknüpft. Falls die Mehrheit der weißen Minderheit mit „Nein“ antwortet, wird er seinen Hut nehmen. Dann brächen am Kap wieder finstere Zeiten an.

Allein, der 56jährige Präsident scheint keine Sekunde am Erfolg des Unternehmens zu zweifeln. Er wirkt so unerschütterlich, als nähme sein steinernes Standbild schon heute einen Ehrenplatz vor dem Parlament in Kapstadt ein: F.W. de Klerk, Vater des neuen Südafrika. Dies sei seine Sendung, sagt er und stemmt seine linke Faust in die Hüfte: „Niemand kann den Reformprozeß umkehren.“ Dann wechselt er wieder in den Tonfall einer Neujahrsansprache und macht der weißen Gemeinde deutlich: Ihr steht jetzt am Rubikon und könnt frei entscheiden, ob ihr ihn überschreiten wollt – hernach wird es kein Zurück mehr geben.

Es geht ums Ganze. Diese Botschaft ist draußen auf dem platteland angekommen. Für Julian Wayne war die Angelegenheit von vornherein klar: „Entweder wir folgen FW, oder wir gehen unter.“ Der vollbärtige Schafzüchter aus der Kap-Provinz weiß schon heute, wie er am 17. März abstimmen wird – „natürlich mit Ja, wir haben keine andere Wahl“.