Winstons Gene

Nicht selten werden moralische Wahrheiten so beschnitten, daß sie ihren Sinn verlieren. So hört man oft die Meinung, daß in jedem Menschen ein guter Kern stecke – eine arg verkürzte Version der Tatsache, daß wir gern alles Schlechte tun würden, wenn es nur keine Folgen hätte. Erfreulich ist daher zu lesen, daß britische Wissenschaftler (schon immer am Praktischen orientiert) nach einem Churchill-Gen suchen – jener inneren Qualität des großen Winston Churchill, die es ihm erlaubte, neunzig Jahre alt zu werden, statt früh mit einem Herzinfarkt zu sterben, wie es sein Lebenswandel eigentlich verlangt hätte. Churchill war zu früh auf die Welt gekommen, er war klein, übergewichtig und cholerisch, rauchte eine Zigarre nach der anderen, steuerte sein Land durch einen Krieg auf Leben und Tod und trank Whisky, Champagner und Cognac in rauhen Mengen: Die Mediziner berechnen seinen Konsum auf 22 Alkoholeinheiten täglich (3 halten sie für höchstens zuträglich). „Churchills Langlebigkeit wirft die Frage auf, ob er mit speziellen Genen ausgestattet war, die sein Überleben ermöglichten“, sagt Steve Humphries, frischgekürter Professor bei der British Heart Foundation. Da Humphries weiß, daß manche Herzkrankheiten von Gendefekten begünstigt werden, macht er sich jetzt mittels Langzeitstudie auf die Suche nach den guten Genen. So werden wir also bald nach Lust und Laune fressen, rauchen, saufen, herumbrüllen und Krieg führen dürfen? Nein, sagt Humphries, neues, genetisches Wissen solle dann erst recht „Grundlage sein, bei einem gesunden Lebensstil zu bleiben, statt einen gefährlichen anzunehmen.“ Was stirbt gar nie? Die Moral.

Komm, Kakadu!

„Asyl für australische Kakadus“ fordert die „Aktion Mensch und Tier e. V.“ und kämpft gegen die skandalöse Verfolgung des Federviehs auf dem fernen Kontinent. Weil die Kakadus „in riesigen Schwärmen die Ernten der Farmer zerstören und deren Existenz gefährden“, glaube die australische Regierung, „die Plage durch staatlich geförderte Abschlachtung lösen zu müssen, und verweigert die Legalisierung des Exports“. Schlepper schickten die Tiere „auf qualvolle Transporte zu Sammlern außerhalb Australiens“ und kassierten „skrupellos“. „Legaler Export ist besser als Tod“, begründet die Bundesvorsitzende Monika Gürtler das Engagement ihres Vereins und kämpft für ein neues Zuhause der Tiere in Europa.

Von Sammellagern raten wir im Blick auf die Hühner-KZ ab. Statt dessen sollten all die eine Chance zur Humanität haben, die bisher aus Platzmangel keine Asylbewerber in ihren Wohnstuben unterbringen konnten – ein Käfig paßt über jede Couch. Endlich können wir Deutsche beweisen, daß aller Fremdenhaß ein Mißverständnis war – wir sind ein kakadufreundliches Volk. Überdies gelten die Vögel als „leicht zu zähmen“. So sind uns Asylbewerber willkommen!