Aus dem Stasi-,Maßnahmeplan zur weiteren operativen Bearbeitung des OV ‚Verräter‘“ vom 19. Dezember 1985:

Die im OV „Verräter“ operativ bearbeitete Person TEMPLIN, Wolfgang, ist als einer der Hauptinspiratoren und Organisatoren des politischen Untergrundes bei der Initiierung einer staatsfeindlich angelegten sogenannten Menschenrechtskampagne in der DDR einzuschätzen. Aus diesem Grund besteht die Zielstellung in der weiteren operativen Bearbeitung des TEMPLIN in

  • der Eindämmung der staatsfeindlichen Wirksamkeit, einschließlich durch Anwendung ordnungsstrafrechtlicher sowie Zersetzungsmaßnahmen gegen TEMPLIN;
  • der strafrechtlichen Nachweisführung der staatsfeindlichen Aktivitäten des TEMPLIN;
  • der Aufklärung der Verbindungen des TEMPLIN zu staatsfeindlichen Kräften und Personen im Operationsgebiet und in der Erarbeitung von Informationen und Beweisführung über die direkte Feindverbindung des TEMPLIN.

Es sind alle operativen und sonstigen Möglichkeiten zu nutzen, um

  • TEMPLIN weitestgehend mit sich selbst zu beschäftigen, um ihm soviel Zeit als möglich für seine Feindtätigkeit zu nehmen;
  • ausgehend von den tatsächlich vorhandenen Rivalitäten gegen TEMPLIN diesen innerhalb des politischen Untergrundes zu diskreditieren und somit in seiner feindlichen Wirksamkeit erheblich einzuschränken bzw. TEMPLIN unglaubwürdig zu machen.

Dazu sind folgende Maßnahmen einzuleiten: Meinungs- und Standpunktunterschiede unter den Personen des politischen Untergrundes sind zielgerichtet durch die eingesetzten IM zu vertiefen, um „nicht miteinander, sondern übereinander“ zu reden und somit von der feindlichen Zielstellung abzulenken.

TEMPLIN ist durch das Wehrkreiskommando vorzuladen und einer medizinischen Tauglichkeitsuntersuchung zu unterziehen.

Zielstellung dabei ist es, vorhandene (z.B. vorliegende Hautkrankheit) oder fiktive (auch durch TEMPLIN selbst vorgegebene) Krankheiten/Beschwerden für die Diskreditierung des TEMPLIN unter Personenkreisen des politischen Untergrundes und somit zu seiner Isolierung zu nutzen.

Organisierung eines fiktiven geheimdienstlichen Interesses an TEMPLIN (Einsatz eines IM unter falscher Flagge) auf der Grundlage der über seine Person im Operationsgebiet erfolgten Veröffentlichungen mit der Zielstellung, die staatsfeindlichen Handlungen des TEMPLIN mit Hilfe bzw. unter Anleitung von feindlichen Kräften aus dem Operationsgebiet zu beweisen.

Prüfen der Möglichkeiten, welche unter maßgeblicher Mitarbeit von TEMPLIN erarbeiteten Materialien entgegen den Absichten TEMPLINS im Operationsgebiet veröffentlicht werden können, um Zerwürfnisse des TEMPLIN mit seinem feindlichen Umfeld in der DDR zu erzeugen.

Suche und Einsatz eines geeigneten IM, der zur TEMPLIN, Regina (Ehefrau des T.) außereheliche intime Beziehungen herstellen kann, um auf dieser Grundlage die Ehe des TEMPLIN zu zerrütten.

Aus der „Ergänzung zum Maßnahmeplan vom 19. 12. 1985 zur weiteren operativen Bearbeitung des OV ,Verräter‘“:

Auf der Grundlage der durch den Leiter der HA XX, Gen. Generalmajor Kienberg, geführten Absprache vom 22. 1. 1986 wird o.g. Maßnahmeplan wie folgt ergänzt:

Erzeugung von ernsthaften Widersprüchen in der Menschenrechtsbewegung durch die IMB

„Martin“ HA XX/2

„Karin Lenz“ HA XX/2

„Wolf“ HA XX/2

Durch das Hereintragen von Zweifeln an

  • inhaltlichen und theoretischen Fragen;
  • der Anbindung bzw. Heraushaltung der Menschenrechtsbewegung. an die bzw. aus der Kirche;
  • der Einbeziehung bzw. Nichteinbeziehung von Personen aus dem Operationsgebiet;
  • der Fähigkeit des TEMPLIN zur Führung der Menschenrechtsbewegung, wobei Mißerfolge (Absage des geplanten „Seminars“ am 23. 11. 1985 durch Gemeindekirchenrat; mangelhafte Aktivitäten durch die Arbeitsgruppenleiter; Schuldzuschiebung an TEMPLIN wegen nicht kontrollierten Veröffentlichungen im NSA; Alleingänge des TEMPLIN .. .) als Grundlage dienen sollten;
  • den für die Menschenrechtsbewegung ausgewählten Sprechern unter Berücksichtigung der Tatsache, daß alle eingesetzten Arbeitsgruppenleiter Initiatoren des politischen Untergrundes sind.

Bei der HA XX/5 und der HVA Prüfung der Möglichkeiten des gezielten Einsatzes eines Journalisten aus dem NSA zu TEMPLIN, der ein, den TEMPLIN als Sprecher der Menschenrechtsbewegung belastendes, Interview realisiert, was geeignet ist, den TEMPLIN innerhalb des politischen Untergrundes als „Alleinherrscher“ in Mißkredit zu bringen und das Einleiten staatlicher Maßnahmen rechtfertigt.

Operative Taktik gegenüber kirchenleitenden Organen:

  • Einsatz vorhandener IM der HA XX/4 zur Einflußnahme auf kirchenleitende Amtsträger der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg mit dem Ziel, die Organisatoren der Menschenrechtsbewegung zu disziplinieren und rechtswidrige Handlungen dieser Personen zu unterbinden;
  • Gezielte Bevorzugung und Unterstützung von „Untergrundgruppen durch kirchenleitende Organe, die ordnungsgemäß an Kirchengemeinden angegliedert sind und ihr Ausspielen gegenüber der Menschenrechtsgruppe um TEMPLIN;
  • TEMPLIN zu einem Gespräch mit der Kirchenleitung (Generalsuperintendent Krusche) bestellen und von TEMPLIN die Vorlage der schriftlichen Konzeption zur Menschenrechtsbewegung fordern.

Es ist zu prüfen, in welcher Weise der TEMPLIN gegenüber anderen Initiatoren des politischen Untergrundes als eine Quelle des MfS verdächtigt werden kann und wie dieser Verdacht in Umlauf zu bringen ist.