DIE ZEIT

Hasch – und dann?

Erst Haschisch, dann Heroin? Ginge es nur um die "weichen" Drogen, so hätten die Lübecker Richter kein allzu großes Aufsehen erregt.

Entartet

Die eben eröffnete Kunstausstellung im Berliner Alten Museum ist sozusagen ein alter Hut. Manche Zeitgenossen haben sie vielleicht schon einmal gesehen, 1937 in München.

Deutschland wird deutscher

Armes Deutschland – von machiavellistischen Nachbarn umgeben, von den neidischen Franzosen um seine teure D-Mark gebracht, von den geldgierigen Südeuropäern ausgenutzt, von falschen Freunden in seiner Jugoslawienpolitik gehemmt, von geizigen EG-Mitgliedern in Osteuropa allein gelassen, von uneinsichtigen Partnern an einem wirksamen Umweltschutz gehindert, von den Brüsseler Beamten gegängelt, von allen beargwöhnt und von niemandem geliebt .

Bitter

Die ebenso wohlschmeckende wie vitaminreiche Frucht galt schon immer als etwas Besonderes. Die Inder etwa rühmten sie als anregend für die Weisen (Musa sapientium).

Was aufs Dach

Hat der Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter nur "bayerisch-barock übertrieben", oder ist er gar norddeutsch "ausgebüxt", als er seiner sozialdemokratischen Partei vorwarf, sie trage ihre hehren asylpolitischen Programmsätze wie eine Monstranz vor sich her, ohne Rücksicht auf die Realität? Im zweiten Falle müßte er, ginge es nach dem SPD-Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing, einem – auf gut bayerisch gesagt – Lüfterl, mit ernsthaften Sanktionen rechnen, denn: "Wer ausbüxt, der kriegt auch was aufs Dach.

Worte der Woche

"Ich glaube, es sind hier Kräfte am Werk, die ein massives Interesse daran haben, daß Erich Mielke weiter schweigt. Die würden es am liebsten sehen, wenn er die Klappe halten und in der Untersuchungshaft sterben würde.

Vor einem Jahr sprach George Bush noch hochgemut von der "Neuen Weltordnung Inzwischen ist der schöne Traum an der Wirklichkeit zuschanden geworden.: Neue Welt, neue Unordnung

Es ist seit urdenklichen Zeiten so gewesen: Nach jedem Kriege versucht der Sieger, eine "Neue Weltordnung" heraufzuführen. Manchmal gelingt dies mit Feuer und Schwert; dann wieder bleibt der Versuch schon in den ersten Ansätzen stecken, weil der Wille zur Herrschaft rasch erlahmt oder die Widerstände übermächtig werden; und zuweilen gedeiht das Unternehmen nicht über eine farbkräftige, doch wirklichkeitsschwache rhetorische Skizze hinaus.

Im Mittelalter

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine politische Sensation. Saudi-Arabien wagt endlich den ersten Schritt in Richtung Demokratie.

Volksbefragungen in Bosnien und Montenegro: Angst und Haß

Fragen, in denen sich – nach den Volksbefragungen am vorigen Wochenende – Verwirrung wie Hoffnung widerspiegelt. Tödliche Schüsse und Straßenbarrikaden in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo signalisierten zunächst das Schlimmste, nachdem sich 63 Prozent der Teilnehmer am Referendum (das die Serben boykottierten) für einen "souveränen, unabhängigen Staat" ausgesprochen hatten.

Wolfgang Ebert: Offene Worte

Im Zuge der "Neuen Offenheit", die nahezu jeden von uns zum politischen Offenbarungseid zwingt, erlebt augenblicklich der offene Brief eine Hochkonjunktur.

Unter die Räuber gefallen

Seit Wochen machen Affären Schlagzeilen in Polen. Die Bürger erregen sich am Arbeitsplatz und am Küchentisch über Hochstapler und Fälscher, die angeblich das Land desorganisieren und Polen zugleich in die Anarchie und in den Ruin treiben.

Auf dem Weg

Ob in Polen selbst oder im Ausland – der Polen-Pessimismus feiert Triumphe. Das düstere Bild, das vom Land an der Weichsel gezeichnet wird, setzt sich aus Facetten zusammen, die sich mit Zahlen, Zitaten oder Ergebnissen von Meinungsumfragen belegen lassen.

"Ich bin Hans im Glück"

Er hat Seltenheitswert. Heiko Lietz vom Bündnis 90 tut immer nur, was er für richtig hält. Ob es andern gefällt oder nicht. Die Stasi nannte ihn "Zersetzer", und Lietz hat sich diese Auszeichnung sauer verdient.

Der Angeklagte schweigt: Moabiter Farce

Eine schwarze Katze ist noch nicht durch den Raum gelaufen, auch die Tische haben sich bisher nicht bewegt. Doch wundern würde sich darüber niemand mehr.

Ben Witter: Angetippt

Anschließend geht er zu seinem Wagen, zwanzig Schritte mögen es sein. Er startet und schaltet das Radio ein. Er fährt stets dieselben Straßen hin und zurück.

Wie wurde man ein IM?

Bei der Aufarbeitung unserer Vergangenheit bleibt das Thema Staatssicherheit nach wie vor emotionsgeladen. Das ist kein Zufall.

KOLUMNE: Europas Schweigen

Außergewöhnliche Zeiten verlangen außergewöhnliche Antworten. Seit über zwei Jahren vollzieht sich in Europa ein revolutionärer Umbruch.

Weltbühne: Mit der IRA verhandeln?

Optimisten meinen, am düsteren nordirischen Himmel sei ein zarter Hoffnungsstreifen auszumachen. Auf den ersten Blick möchte man dieser Aussage zustimmen.

Bonner Bühne: Lauter Aschermittwochs

Wieder ein Aschermittwoch ohne Franz Josef Strauß, der dritte schon. Die Politik hat den Tag längst usurpiert. Es ist das Fest der großen Auftritte, der langen Bußpredigten und der starken Sprüche.

Vorgang auf!

"Es wurde nachgewiesen, daß es sich bei solchen Personen wie ... TEMPLIN ... um unverbesserliche Feinde des Sozialismus handelt.

Die Akte Verräter

Die im OV "Verräter" operativ bearbeitete Person TEMPLIN, Wolfgang, ist als einer der Hauptinspiratoren und Organisatoren des politischen Untergrundes bei der Initiierung einer staatsfeindlich angelegten sogenannten Menschenrechtskampagne in der DDR einzuschätzen.

Von der Wende verweht

Scharf bewachte die Nationale Volksarmee den Rübenacker, der Ostseestrand war Sperrgebiet, der Sozialismus sehr begrenzt. Grafen und Junker herrschten im Klützer Winkel an der Ostseite der Lübecker Bucht.

Die Albaner bleiben

Breisacher ist Hauptamtsleiter der 3500-Seelen-Gemeinde Bahlingen, einem Weinbauerndorf am Kaiserstuhl. Breisacher ist nach dem Bürgermeister der wichtigste Mann auf dem nicht ganz so wichtigen Rathaus.

Bremen: Staat vor der Pleite

Bremen soll Flächenstaat werden" – das ist die wohl kurioseste Idee zur Rettung Bremens als Bundesland. Wenn jeder, der in der Stadt arbeitet, hier auch seine Steuern zahlte, wäre die Finanznot bald behoben, denken sich die Initiatoren mit Blick auf die rund 90 000 Pendler aus dem niedersächsischen Umland.

Verwirrung um Tamilen

Auf den ersten Blick sieht Shanmugadasan Chan aus, als wolle er auf ein Kostümfest gehen. Der Tamile trägt eine Art Phantasieuniform, bestehend aus einer schwarzen Tuchhose und einem weinroten Jackett mit Epauletten und silbernen Knöpfen.

Berlin: Im Prinzip ja, aber...

Nach fast fünfmonatigem Streit nun also eine Radio-Eriwan-Entscheidung des Senats: Die junge Ostberliner Juristin Cathrin Junge – wegen ihrer PDS-Mitgliedschaft Zankapfel zwischen den Koalitionsparteien CDU und SPD – wird zur Richterin auf Probe in den Justizdienst übernommen – im Prinzip.

Baden-Württemberg: Im Dreck vereint

An der Uni Hohenheim ist alles etwas kleiner und feiner: die, vor allem für Agrarwissenschaftler traditionsreiche Hochschule residiert in einem Schloß, eingeschrieben sind nur 6000 Studenten, und im Universitätsführer werden "Ökologische Kulturphilosophie", "Umweltgerechte Nutzung von Agrarlandschaften" sowie "Haushalts- und Konsumökonomik" angeboten.

Bonner Kulisse

Der Finanzminister des Saarlandes, Hans Kaspar, hat sich mit seiner Steuerpraxis unbeliebt gemacht. Nach Ermittlungen des Bundesrechnungshofes soll Kaspar der Klinik-Gruppe Johannesbad "entgegen der Rechtslage" Umsatzsteuern in Höhe von 5,4 Millionen Mark zurückerstattet haben.

Traumschiff Jena

Was für ein Comeback: Am 13. Januar 1991 mußte Lothar Späth als badenwürttembergischer Ministerpräsident zurücktreten, weil er privat und dienstlich rund 550mal auf Kosten ihm nahestehender Unternehmer in der Welt herumgereist war.

Macht der Gewohnheit

Die Trägheit der Masse ist nicht nur in der Physik eine verläßliche Größe. Auch die Deutsche Bundespost Telekom kann mit ihr rechnen.

Defa: Ein Traum wird versilbert

Die schweigsame alte Dame zeigte sich ungewöhnlich beredt. Die Defa müßte unbedingt erhalten bleiben, ließ Marlene Dietrich zum 45.

Atomenergie und Klimaschutz: Projekt Sonne

Viele in unserer Gesellschaft halten den Konsens als solchen für gut, den Konflikt für schlecht. Die Bundesregierung, die die SPD zur Rückkehr zum energiepolitischen Konsens auffordert, kann sich deshalb unabhängig von den Inhalten zunächst breiter Unterstützung sicher sein.

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