Von Tara Sonenshine und Jay LaMonica

MUSLJUMOWO. – steil dir vor, du wächst auf, ohne zu wissen, daß das Wasser, das du trinkst, die Luft, die du atmest, und die Nahrung, die du zu dir nimmst, radioaktiv verseucht sind.

Stell dir vor, du wirst strahlenkrank, und die Ärzte sagen dir lediglich, daß du an einer „speziellen Krankheit“ leidest.

Stell dir vor, du findest erst jetzt heraus, daß sich vor 35 Jahren in der Nähe deines Hauses ein großer Reaktorunfall ereignet hat, den die Behörden jedoch verschwiegen.

Stell dir all das vor, und du bist erst am Anfang des Schreckens von Musljumowo.

Auf den ersten Blick ist Musljumowo ein idyllisches 3500-Seelen-Dörfchen, am Fluß Tetscha in Sibirien gelegen. Doch etwa achtzig Kilometer stromaufwärts befindet sich eines der bestgehüteten Geheimnisse des sowjetischen Atomwaffenprogramms, Majak, auch bekannt unter dem Namen Tscheljabinsk-70.

Ende der vierziger Jahre versammelte Stalin dort seine besten Wissenschaftler, um Amerikas Atommonopol zu brechen. In den Reaktoren Majaks wurde das Plutonium für die ersten sowjetischen Bomben hergestellt. Kürzlich fuhr Außenminister James Baker dorthin, um den Wissenschaftlern US-Hilfe bei der Zerstörung des Arsenals anzubieten. Wir hoffen, ihm wurde das Ausmaß des Schadens deutlich gemacht, den die Anlage dieser Region zufügte, und daß er den Menschen von Musljumowo bei der Bewältigung ihrer Hinterlassenschaft aus dem Kalten Krieg amerikanische Unterstützung zusagte.