Die Klagen der Ossis über besonders ruppige Eroberungsmethoden westdeutscher Unternehmen bleiben nicht immer wirkungslos. So hat sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse darüber aufgeregt, wie die Hamburger Beiersdorf AG (BDF) die ostdeutsche Konkurrenz ausschalten wollte. In einem Schreiben an Beiersdorf-Vorstandsmitglied Ulrich Nafe machte der Sozialdemokrat seiner Empörung Luft: Die Hamburger, die unter anderem mit Hansaplast und Leukoplast ihr Geld verdienen, praktizierten „eine Form von ‚Wettbewerbsverhalten’, das allen Anstrengungen, ostdeutschen Betrieben noch Chancen zu geben, hohnspricht“.

Aufgeschreckt wurde der Politiker durch den Betriebsrat der Gothaplast Verbandpflasterfabrik GmbH, die das Konkurrenzprodukt Gothaplast herstellt. Zunächst hatten sich die Hamburger an einer Übernahme der Gothaer interessiert gezeigt. Der Betriebsrat: „Alles wurde analysiert, jede Ecke photographiert und abgeklopft.“ Doch dann sagte der Beiersdorf-Vorstand ab.

Richtig grantig wurden aber die Hanseaten, als sie feststellten, daß der verschmähte Übernahmekandidat zum echten Konkurrenten wurde. Denn der verkaufte inzwischen sein Gothaplast nicht nur im Osten, sondern auch im Westen des vereinigten Deutschland. Schriftlich verlangten sie von den Thüringern die Zusage, „daß Sie künftig Gothaplast-Wundpflaster im Bereich der alten Bundesländer nicht mehr vertreiben werden“. Beiersdorf begründete den Unterlassungsanspruch mit dem rechtlichen Schutz ihrer eigenen Marke Guttaplast. Nach Einschätzung der Thüringer Konkurrenz machen die Hamburger mit dem Hühneraugenpflaster dieses Namens nicht einmal 0,1 Promille ihres Konzernumsatzes.

Der SPD-Politiker Thierse bat per Brief die Präsidentin der Treuhandanstalt Birgit Breuel um Unterstützung für die ostdeutsch Pflasterfabrik, um dem nach seiner Einschätzung wettbewerbsfähigen Unternehmen die „Entlassung in die Selbständigkeit‘ zu erleichtern und ihm „geeigneten juristischen Rat“ zu vermitteln.

Birgit Breuel brauchte dann aber gar nicht mehr aktiv zu werden. An dem Tag, an dem Thierse seinen Hilferuf aussandte, stoppte Beiersdorf-Vorstand Ulrich Nafe unter ausdrücklicher „Würdigung der schwierigen Situation in den neuen Bundesländern dieses Vorgehen“ seiner Rechtsabteilung (Nafe: „Ein Routinevorgang“). Die Anschuldigung, Beiersdorf wolle Gothaplast vernichten. nannte Nafe eine „Verleumdungskampagne“, die dadurch „eine besondere Delikatesse gewinnt, daß die Gothaplast seit Dezember 1991 von einem unserer westdeutschen Wettbewerber, der Münchner Firma Sander, chemisch-pharmazeutische Fabrik, beherrscht wird“.

Das neugeschaffene Bundesausfuhramt, das über die Einhaltung der neuen Vorschriften zur Rüstungsexportkontrolle wachen soll, kann von April an endlich seine Arbeit aufnehmen – allerdings nicht in dem von Bundes wirtschaftsminister Jürgen Möllemann vorgesehenen Umfang Denn der Haushaltsausschuß des Bundestags hat gerade bei Möllemanns neuer Behörde praktiziert, was der Minister gern predigt: Er hat den Rotstift angesetzt. Von den insgesamt 430 Personalstellen, die für das neue Amt vorgesehen sind, bleiben 33 zunächst gesperrt. Weil diese Stellen dadurch vorerst nicht besetzt werden können, wird die Arbeit des Amtes gerade in der schwierigen Anfangsphase nicht erleichtert. Die Parlamentarier hat auch nicht beeindruckt, daß Möllemanns parlamentarischer Staatssekretär Erich Riedl in der Ausschußsitzung getobt hat, wie ein Haushälter berichtet. Riedl warf den Abgeordneten vor, sie seien schuld, wenn die Welt beim nächsten Sündenfall mit illegalen Rüstungsgeschäften auf Bonn zeige. Mit einer um rund zehn Prozent reduzierten Mannschaft seien die Kontrollvorschriften nur bedingt umzusetzen.

Auch bei der Bezahlung der neuen Amtsspitze machten die Haushälter dem Wirtschaftsminister einen Strich durch die Rechnung. Möllemann hatte den Präsidenten nach der Besoldungsgruppe B 7 (11 221,26 Mark monatlich) entlohnen wollen, der Ausschuß bewilligte nur ein Gehalt nach B 6 – gut einen halben Tausender weniger. Damit bekommt der Chef der neuen Behörde für den risikoträchtigen Job das gleiche Geld wie der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft, das bisher für alle Exporte zuständig war, die Aufgabe allerdings nur mangelhaft erfüllte.