Zwar gibt es ihn noch nicht, dafür aber ist er schon berühmt: der 64-Megabit-Chip, den der Münchner Elektrokonzern Siemens zusammen mit dem größten Computerbauer der Welt, IBM, derzeit entwickelt. Der Speicherbaustein der übernächsten Chip-Generation gilt als Symbol für den technischen Fortschritt und als Maßstab für den Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten, Europa und Japan.

Fraglich ist derzeit allerdings noch, wer die milliardenteure High-Tech-Fabrik zur Produktion des Chips überhaupt finanzieren und wo sie stehen wird. Jürgen Knorr, der Chef des Halbleitergeschäfts bei Siemens, sähe es am liebsten, wenn Regensburg zum Standort für die Produktion des Superchips würde. Dort fertigen die Münchner bereits die Vorgänger des elektronischen Jumbos. Olaf Henkel, der oberste Manager der deutschen Dependance der amerikanischen IBM, bevorzugt hingegen Sindelfingen. Seine Fabrik kam bereits zu Ruhm und Ehren, als Bundeskanzler Helmut Kohl im Juli 1989 höchst persönlich in Süddeutschland erschien, um den Start der Serienfertigung des Vier-Megabit-Chips bei IBM zu feiern.

Jüngst wurde die Diskussion noch um einen dritten Vorschlag bereichert: Dresden als eine der ehemaligen Elektronik-Hochburgen der DDR kam ins Gespräch. Eine solche Entscheidung wäre eine "Fanfare für den technischen Aufbruch in den neuen Bundesländern", verkündete dann Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann.

Die tönenden Worte haben einen realen Hintergrund. Siemens und IBM sind die Kosten für die neue Chipfabrik zu hoch. Sie hoffen auf eine staatliche Unterstützung. Die aber wird in Brüssel nur noch für strukturschwache Gebiete genehmigt. Und dazu zählen die neuen Bundesländer, nicht aber Regensburg und Sindelfingen.

Mit diesen innereuropäischen Sachzwängen offensichtlich noch nicht so richtig vertraut, wettert IBM-Mann Henkel gegen Dresden: "Wir brauchen keinen neuen Wettbewerb zwischen alten und neuen Bundesländern, wir haben schon genug mit Japan." Bis die Produktion an einem neuen Standort endlich liefe, seien die Japaner bereits bei der nächsten Generation.

Hat dieses Tauziehen nicht bald ein Ende, wird wohl keine der drei deutschen Städte zum Zuge kommen. Das fernöstliche Singapur hat sich längst bereit erklärt, die Fabrik zu finanzieren. Schon heute läßt Siemens seine Speicherchips dort montieren. Nur die kapitalintensiven Vor- und Feinarbeiten werden hierzulande erledigt.

Anders als ursprünglich geplant, soll den Beamtentransfer zwischen den beiden Hauptstädten der Republik künftig die kleine und noch unabhängige Charterfluggesellschaft Germania besorgen. Anlaß für diese Entscheidung gab Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg. Er wollte die Flugbereitschaft der Bundeswehr nicht länger für die Beamtenreisen zwischen Bonn und Berlin einsetzen. Ausschlaggebend waren die Kosten. Stoltenbergs Berlin-Shuttle verschlingt 67 Millionen Mark im Jahr.