Von Peter Grubbe

Seit Monaten gehört die angebliche Ausländergefahr zu den wichtigsten politischen Diskussionsthemen in Deutschland. Fast die Hälfte aller deutschen Bürger fürchtet eine „Überfremdung“. Hie und da wird deshalb bereits die Einstellung von Kindergeldzahlungen an Ausländer gefordert. Und in den neuen Bundesländern ist fast jeder fünfte Jugendliche bereit, Ausländer mit Gewalt aus dem Lande zu jagen.

Bei der heftigen Debatte reden Bürger und Politiker vielfach aneinander vorbei, teils aus Unkenntnis, teils aus Absicht. Wenigstens den ersten Grund versucht das soeben erschienene Buch „Zukunftsangst Ausländer“ von Beate Winkler jetzt auszuräumen.

Die Autorin arbeitet seit elf Jahren als Referentin im Amt der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung. Ihr Buch enthält denn auch eine Fülle vermutlich weithin unbekannter Informationen. Dazu gehört die nicht allzu häufig erwähnte Tatsache, daß die in Deutschland lebenden Ausländer jährlich Steuern in Höhe von rund dreißig Milliarden und einen Beitrag zum Bruttosozialprodukt in Höhe von rund hundert Milliarden Mark erbringen, wie der Hinweis darauf, daß Deutschland in der Vergangenheit viel mehr Ausländer aufgenommen und ohne Schaden integriert hat als heute.

Bei der Bekämpfung der vor allem psychologisch verursachten deutschen Ausländerangst versagen nach der Erfahrung von Beate Winkler nicht nur die Politiker. Auch die meist wohlmeinenden „Ausländerexperten“ kirchlicher und sozialer Institutionen machen gravierende Fehler, indem sie zum Beispiel Exzesse wie Hoyerswerda einfach verurteilen, anstatt ihre Ursachen zu erklären. Und die häufig unreflektierte Ausdruckswahl der Medien heizt mit Ausdrücken wie „Asylantenschwemme“ und „Ausländerflut“ die Angst weiter an.

Nach Ansicht der Autorin ist ein weiterer Zuzug von Ausländern politisch unvermeidbar und aus wirtschaftlichen Gründen auch notwendig. Denn ohne Zuwanderung der meist jüngeren Ausländer würde die gefährlich zunehmende Überalterung der deutschen Bevölkerung in absehbarer Zeit zwangsläufig zu einem Zusammenbruch des gesamten deutschen Sozialgefüges führen.

Ihre Analyse wie die daraus abgeleiteten Thesen stützt die Autorin nicht nur auf Erkenntnisse aus ihrer eigenen Arbeit. Ergänzt werden sie vielmehr durch einen Bericht des Münsteraner Historikers Klaus Bade über deutsche Erfahrungen mit Einwanderung und Wanderarbeitern in der Vergangenheit und einem Ausblick auf die künftig zu erwartenden Wanderbewegungen, den ihr Kollege Hartmut Reichow verfaßt hat.