Auch ich bin dafür, daß Auschwitz erhalten werden muß“, schrieb Heinrich Z. aus Heilbronn, „es sollte wieder funktionstüchtig gemacht werden, damit solche Vögel wie Sie wieder ‚durch Arbeit frei gemacht‘ werden können. Auch das Unterbringungsproblem für die Asylanten wäre so leicht zu lösen. Ich gebe freiwillig 50 kg Gas (Zyklon B).“

Fernsehzuschauer Heinrich Z. – mit Rücksicht auf mögliche Namensgleichheit bei anderen, die mit ihm nicht verwechselt werden möchten, nennen wir seinen vollen Namen nicht – schrieb diese unvergleichlich zynischen Sätze in einem Brief an die Fernsehautorin Patricia Schlesinger, als Reaktion auf eine Panorama-Sendung Anfang März, in der Patricia Schlesinger über den Verfall der Gedenkstätten am Ort des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz, Inbegriff der Vernichtung von Juden, berichtet und um Spenden zur Erhaltung der Stätten gebeten hatte.

Das Museum zum Gedenken an die Opfer, das von der polnischen Regierung 1947 im Stammlager von Auschwitz eingerichtet und seither unterhalten wurde, ist in seiner Existenz bedroht. In Warschau fehlt das Geld zur notwendigen Instandsetzung. Die Bilder in Panorama zeigten: Es rostet und bröckelt überall. Die zur Mahnung an die Greueltaten der Nazis erhaltene Gaskammer und das Krematorium verrotten, die Baracken, in denen die Koffer, Taschen und Körbe der Ermordeten zuhauf liegen, sind von Schimmel und Feuchtigkeit befallen, ebensp die Stapel von Schuhen, die in allen Größen an das Schicksal ihrer ehemaligen Besitzer erinnern.

Die Reaktion des größten Teils der Zuschauer, die in Briefen auf diese Bilder reagierten, war Ablehnung („Laßt uns endlich in Ruhe!“) oder Flucht von der Wahrheit: Es sei alles eine Fälschung, schrieb ein Zuschauer; „der Spendenaufruf ist eine Geschmacklosigkeit“ schrieb ein anderer.

Es kamen, das sei nicht verschwiegen, mittlerweile von tausend Spendern auch 110 000 Mark zusammen. Doch gleichzeitig treffen stapelweise Briefe ein wie dieser: „Gerne werde ich eine größere Summe spenden, wenn dadurch Auschwitz betriebsbereit bleibt (für H. Galinski, Türken u.a.!!), unterschrieben: „Ein Deutscher“. Sylvie Wickert