Lerne klagen, ohne zu leiden. So lautet das Motto jener Gruppe reisefreudiger Landsleute, die man an jedem Ferienort auf der Welt trifft. Schon morgens am Frühstücksbuffet zählen sie die Marmeladensorten, notieren den Fruchtgehalt desOrangensafts. Am Swimmingpool messen sie penibel Wassertemperatur und Chlorgehalt.

Mit dem Photoapparat werden statt Sonnenuntergängen, Palmenstränden oder Gemüsemärkten Zimmergröße, lose Handtuchhalter und Spinnweben in den entferntesten Ecken auf Zelluloid gebannt. Sie zücken Videokameras, um unter der Bettkante verschwindende Kakerlaken zu verfolgen und die Entfernung bis zur nächsten Hotelbaustelle zu dokumentieren.

Abends an der Bar sind diese Zeitgenossen immer für eine Anekdote gut. Mombasa: 15 Prozent des Reisepreises vom Veranstalter zurückerstattet. Sri Lanka: ein Viertel der Summe. Und neulich in der Türkei hatte die Reklamation sogar 30 Prozent Nachlaß gebracht. Auch nach diesem Urlaub, da sind sie sich ganz sicher, werden sie wieder etwas herausschlagen.

Die Deutschen gelten nicht nur als Reiseweltmeister, auch im Klagen sind sie einsame Spitze. Aber längst nicht alle Reklamationen führen zum Erfolg. Zwar schützt das deutsche Reiserecht die Verbraucher vor Veranstalterwillkür. Doch die Forderungen, so die Reiserechtler, sind häufig überzogen.

Nun erhalten jene emsigen Rechercheure, die überall Beschwerdegründe suchen, auch noch Schützenhilfe: Bei einem Reklamationsservice in Mülheim können sie sich Computervordrucke besorgen, auf denen alle nur denkbaren Reisemängel aufgelistet sind. Zutreffendes braucht nur noch angekreuzt und als Mängelrüge der Reiseleitung am Ferienort vorgelegt zu werden.

Wird die Störung des Urlaubsglücks nicht sofort behoben, erhält der Kunde später in der Heimat ein computergefertigtes Schreiben zur Reklamation beim Veranstalter. Für diese zwei Blatt Papier, eine „wahrhaft einzigartige Leistung“, wie der Herausgeber der Beschwerdehilfe meint, seien die Kosten von knapp achtzig Mark „sicher gut angelegt“.

„Eisige Zeiten“, das verspricht er seinen Kunden, sollen nun für die deutschen Veranstalter anbrechen. Denn Millionen berechtigter Reisereklamationen würden Jahr für Jahr einfach vergessen, oder aber die Gelackmeierten versäumten die Beschwerdefrist.