Die große öffentliche Feier zum 60. Geburtstag richtete dem Dichter am 6. Februar 1932 die Deutsche Fachschaft der Universität Heidelberg aus. Und der Doktor der Rechte, der von 1899 bis 1906 in Heidelberg auch als Anwalt gearbeitet hatte, ehe er als ekstatischer Dichter kosmischer Hymnen bekannt geworden war, konnte noch jubeln: „Besessen hab ich die Welt. Ich sog alle Feuer / in mich hinein, und jedes Glück war mein.“ Fünf Jahre später wagte im Deutschland der Nazis niemand den 65. Geburtstag eines Dichters zu feiern, der sich als „himmlischer Zecher“ vorgestellt und den Vers geprägt hatte: „Dem Chaos trank ich manchen Becher zu.“ Nur im „Hotel Astoria“ in New York veranstaltete ein Freund eine bescheidene Feier für den Dichter, den die Nazis kurz nach Hitlers „Machtergreifung“ 1933 als „Nichtarier“ aus der Preußischen Akademie der Künste verbannt hatten. Jetzt waren andere Verse Alfred Momberts für ihn selber wahr geworden: „Gott ist vom Schöpferstuhl gefallen / hinunter in die Donnerhallen / des Lebens und der Liebe...“ Der sich beharrlich weigert, das Land zu verlassen, dem er im Ersten Weltkrieg an der Front gedient hat, wird am 22. November 1940, da ist er 68 Jahre alt, zusammen mit der drei Jahre älteren Schwester in Heidelberg von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und ins Internierungslager Gurs nach Südfrankreich verschleppt. Ehe er auf den Lastwagen klettert, kann er noch einen Briefumschlag an den Freund Richard Benz kritzeln. „Eilt!“ schreibt er mit Bleistift auf die linke untere Ecke des Umschlags und als Absender: „Grüße an Alle! Sf.d.A.“ (zu entziffern als „Sfaira der Alte“, wie Mombert sich nach seiner letzten mythischen Versdichtung selber gern nannte). Die Reichspost stempelt den Umschlag „4-5 N“(achmittag) – und mit dem Aufdruck: „Alt-Heidelberg – Du Feine“. Sein feines Vaterland hat der heute fast vergessene Dichter nie wieder gesehen. Aus der „Baracken-Winter-Finsternis“ des Lagers können ihn Schweizer Freunde zwar 1941 retten, doch stirbt er am 8. April 1942 in Winterthur. In der schönen Gesamtausgabe des Kösel-Verlages (1963) ist der Dichter gewaltiger Verszyklen für heutige Leser schier unzugänglich eingeschreint. Im Verlag Langewiesche-Brandt erscheint jetzt eine kleine Auswahl, die an den Mann erinnert, der stolz zu singen wagte: „Ich bin die Musik der Welt“: Alfred Mombert „Hundert Gedichte vom Himmlischen Zecher“ (128 Seiten, 28 Mark). R.M.