Französischen und spanischen Sicherheitskräften ist eine Festnahme geglückt, die eine Wende in der schwierigen Antiterrorpolitik beider Länder einleiten könnte. Sie haben den langgesuchten Eta-Führer Francisco Múgica Garmenida, genannt „Artapalo“, endlich erwischt. Der 37jährige, der schon Anfang der siebziger Jahre seinen Weg in die baskische Untergrundorganisation fand, gilt als besonders rücksichtsloser und brutaler Desperado: Über zwanzig Morde werden ihm angelastet.

Auch seine beiden Komplizen, die am vergangenen Sonntag in einem Schlupfwinkel bei Biarritz festgenommenen wurden, zählten zum obersten Eta-Kommando. Der 35jährige José Luis Alvarez Santacristina, ein verkrachter Philosophiestudent, war der Chefideologe einer Terrororganisation, deren Anhänger sich über ihre politischen Ziele jedoch kaum noch Rechenschaft ablegen. Der Dritte im mörderischen Bunde an der Eta-Spitze war José Maria Arregui Erostarbe; der 46jährige Sprengstoffexperte bastelte die Autobomben, die seit 1989 in Spanien über hundert Menschen zerfetzten.

Zwischen Hoffen und Bangen fragt die Öffentlichkeit in Spanien und Frankreich: Wurde die baskische Eta so entscheidend geschwächt, daß mit einem Nachlassen des Terrorismus gerechnet werden kann? Innenminister José Luis Corcuera warnt davor, nun „in Triumphalismus oder Euphorie“ zu verfallen. Während sein französischer Amtskollege Philippe Marchand im ersten Hochgefühl des Fahndungserfolges den Anfang vom Ende der Eta feierte, zeigte sich der Spanier besorgt: „Die Terroristen sind immer noch fähig, Tod und Schmerz zu verbreiten.“

Seine Skepsis gründet auf langjährigen Erfahrungen: Die baskische Untergrundorganisation war stets in der Lage, verhaftete Führungsleute durch junge Nachwuchsaktivisten zu ersetzen. „Artapalo“ zum Beispiel rückte 1989 an die Eta-Spitze, nachdem seine Vorgänger „Sante Potros“ und „Txomin“ der Polizei ins Netz gegangen waren. Spaniens Sicherheitskräfte befürchten, daß jetzt ein besonders skrupelloser Nachfolger das Kommando der Eta übernimmt: der steckbrieflich gesuchte Terrorist Apalategui – „Apala“.

Zu Beginn dieses Jahres, in dem bereits siebzehn Menschen bei Eta-Anschlägen starben, haben die Terroristen eine Sonderoffensive angekündigt. Die Weltausstellung in Sevilla und die olympischen Sommerspiele in Barcelona sollen zum Anlaß genommen werden, um das Interesse der Weltöffentlichkeit auf den „Freiheitskampf“ der Eta zu lenken, der nach jüngsten Meinungsumfragen von 89 Prozent der Menschen im Baskenland abgelehnt wird.

Spaniens Sicherheitsexperten erhoffen sich deshalb von spektakulären Festnahmen gefährlicher Terroristen nicht nur eine Schwächung der Befehlshierarchie; sie bauen auf den langfristigen psychologischen Effekt. Denn im Umfeld der national-separatistischen Gruppierung „Herri Batas Una“ sind die, Zweifel gewachsen, ob baskischem Unabhängigkeitsstreben mit Autobomben und Genickschüssen nachgeholfen werden kann. Die Schar der ideologisch verbohrten Gewaltapologeten, die das Morden im Stile von Bonnie and Clyde immer noch als eine Art Massenbewegung interpretieren, ist auch im Baskenland kleiner geworden.

Die wachsende Abscheu vor terroristischen Verbrechen bekamen unlängst zwei katholische Priester zu spüren, die in den Verdacht der aktiven Parteinahme für die Eta geraten waren. Sie wurden unter dem Beifall der Öffentlichkeit verhaftet und müssen sich nun wegen Gewaltverherrlichung verantworten.