Es geschehen doch noch Wunder: Fernando Collor de Mello hat vorigen Montag fast alle Mitglieder seines Kabinetts entlassen.

Der Präsident Brasiliens reagierte damit auf die zahlreichen Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierung. Nur der Wirtschaftsminister, die erst kurze Zeit amtierenden Minister für Gesundheit und Erziehung und die vier Militärminister durften im Amt bleiben. Nun muß Collor mit den mächtigen Gouverneuren der Bundesstaaten verhandeln, um seine politische Basis zu sichern. Denn er will sich so schnell wie möglich eine neue Regierungsmannschaft zusammenstellen.

Collors Entschluß, schon nach zwei Jahren Amtszeit und wenige Wochen vor dem Umwelt-Gipfel in Rio eine runderneuerte Regierung einzusetzen, schlug in Brasilia wie eine Bombe ein. Die meisten Minister reagierten ziemlich überrascht, als sie von ihrer Demission erfuhren. Außenminister Franzisco Rezek verließ sogar das Rio-Vorbereitungstreffen in New York. Wie hätte er ohne Schamröte seinen Kollegen nochmals gegenübertreten können.

Die Entscheidung Collors fiel nach einer Serie von Korruptionsskandalen. Tag für Tag meldeten die Agenturen neue Verdächtigungen. In der öffentlichen Schlammschlacht waren schließlich sogar die engsten Berater des Präsidenten ins Gerede gekommen. Selbst der Chef der Bundespolizei soll in dunkle Geschäfte verstrickt sein. Der Justizminister ließ ihn deshalb heimlich überwachen.

Präsident Collor hat in der für ihn typischen Art auf den politischen Rufmord reagiert: mit einem Befreiungsschlag. Statt jedem einzelnen Korruptionsvorwurf nachzugehen, will er nun mit neuen, unbelasteten Politikern weitermachen. Bei der Auswahl seiner Minister müssen allerdings die Landesfürsten und Parteihäuptlinge gefragt werden. Collor hat zwar frische Luft geholt, doch in den politischen Hinterzimmern steht der alte Mief.

Brasiliens Wirtschaft reagierte gelassen auf die Nachrichten aus der Hauptstadt. In São Paulo ist man erleichtert darüber, daß Wirtschaftsminister Marcilio Marques im Amt bleibt. Der diskrete und sachkundige Diplomat hat immerhin erreicht, daß die Unternehmer wieder Vertrauen in die Politik gewannen.

Ob es hält, hängt freilich auch von der Zusammensetzung des neuen Kabinetts ab. Dieses Vertrauen aber braucht Brasilien, um endlich den wirtschaftlichen Niedergang zu stoppen. C.F.G.