Von Linus Reichlin

Wir sind nicht allein. Spätestens am 17. April 1897 taten die Himmel sich auf, öffnete sich ein kosmisches Tor, durch welches die ersten aktenkundigen Extraterrestrier auf die Erde schwebten. Sie kamen in einem schwer manövrierbaren zigarrenförmigen Luftschiff, waren nach der anstrengenden Reise durch die Galaxien in ihrer Navigationskunst erheblich eingeschränkt und kollidierten in der Nähe des texanischen Dorfes Aurora prompt mit einer Windmühle. Es regnete tausend Fetzen. Aus allen Hütten rannten die Dorfbewohner zusammen, teils mit Flinten, teils mit Mistgabeln bewaffnet. Als der gewaltige schwarze Rauch über der Unglücksstelle sich gelichtet hatte, stocherten die Verdutzten etwas Verstümmeltes aus den Trümmern hervor. Niemand wurde aus dem Ding, das offenbar Beine hatte, recht schlau, bis einer im Wrack eine unentzifferbare Inschrift entdeckte; krähenfüßige Zeichen: außerirdische Hieroglyphen, wie man herausfand. Nach Absprache mit dem Reverend wurde das Verstümmelte offiziell als Marsmensch auf dem Dorffriedhof beigesetzt.

Seither ist das kalte, tote All etwas wirtlicher geworden, und der Mensch weiß: Er ist über Alpha Centauri bis zu den Plejaden verwandt mit eigenartigen, aber hochbegabten Völkern.

Nach den glücklosen Zigarren der Jahrhundertwende kam es zu etlichen Marienerscheinungen sowie 1942 zu einem Luftangriff auf Los Angeles durch zickzackfliegende und aus dem Nichts erscheinende Objekte. Drei Menschen starben durch das Sperrfeuer der 37th Coast Artillery Brigade, drei andere vor Aufregung.

Die Fremden waren damals noch recht scheu, zeigten sich selten und wahrscheinlich unfreiwillig. Im Jahr 1947 hatten sie sich endlich an irdische Verhältnisse akklimatisiert: Hier beginnt das eigentliche Zeitalter der sogenannten Unidentifizierbaren Fliegenden Objekte, Ufo. Am 24. Juni jenes Jahres kam der Idahoer Händler Arnold aufgeregt von einem Geschäftsausflug zurück, um der Flugwacht sowie später der Presse zu erzählen, er habe über dem Mount Rainier eine Staffel von neun dreieckigen oder vielleicht diskusförmigen, silbern glänzenden Flugmaschinen gesehen, die schneller geflogen seien als alles Menschliche, geflogen "wie eine Untertasse, die man übers Wasser schlittern läßt".

Das Wesen der Außerirdischen

Nun glitten, schwebten, rasten – heller als Sternschnuppen – fliegende Untertassen über den Nachthimmel und wurden von vielen Menschen, unter ihnen Polizisten, entdeckt. Die Außerirdischen wurden, wenn man so will, frecher, näherten sich Jagdpiloten bis auf wenige Meter oder lauerten ihnen hinter einer Wolkenwand auf und ließen sich nicht bändigen und nicht abschießen. Gelandet waren sie bisher selten, hatten die Betrachter lieber mit kuriosen Flugmanövern oder Lichtspielen gefoppt, bis sie 1952 erstmals ihren Fuß auf menschliches Gebiet setzten, und zwar in der Wüste von Kalifornien. Ein Venusier mit schönem blondem Haar stoppte einen Wanderer namens George Adamski, ließ aus der Hand ein Strahlenmeer in die Welt und warnte dringlich vor den Gefahren der Atombombe. Adamski kehrte verändert in die Stadt zurück, wo er als Prophet, Mittelsmann der Venus rasch berühmt und später sogar von Papst Pius XII. empfangen wurde.