Komödien im Streben nach Glück“ nannte der Harvard-Philosoph Stanley Cavell bestimmte Hollywoodfilme. Darin klingt ein Verfassungsanspruch der Amerikaner nach, wie er friedlicher nie errungen wurde. Die Stars durften Exzentriker sein, und ihr Weg führte selten zur Unterwerfung. Die Zeitspanne zwischen bewältigter Weltwirtschaftskrise und Pearl Harbor war in den Komödien vom Irrwitz der Aushöhlung bestimmt. Einmal auf den Kopf gestellt, zerfielen die Konventionen zu wunderbarem Spielzeug. Laurel und Hardy, die Marx Brothers, Harold Lloyd und Mae West legten eine Lust am Demolieren an den Tag, die nach ihnen von kaum jemandem überschritten wurde. Regisseur dieser Stars war Leo McCarey, der zu Unrecht im Schatten von Frank Capra stand. Für seine Komödie „The Awful Truth“ (1937) erhielt er einen Oscar. An Garson Kanins Film „My Favorite Wife“ (1940) war er als Koautor beteiligt. In beiden Filmen sind Cary Grant und Irene Dünne die Helden, die mit Entzücken an Blessuren ihre Ehen zerfetzen, um sie am Ende ihres Witzes kleinlaut neu zusammenzusetzen. Der Umbruch vom Abschied der sophisticated comedy (dreißiger Jahre) zur Ankunft der gemäßigten Vernunft (vierziger Jahre) wird in diesen beiden Filmen spürbar. Wo „The Awful Truth“ („Die schreckliche Wahrheit“) eine jede Szene übertrumpfende Beschleunigung vorlegt, drosselt „My Favorite Wife“ („Meine liebste Frau“) sichtlich das Tempo und die Augenlust. Ein Glück ist es, diesen Stars in hochgerüsteter Taktik zwischen Scharmützel und Ehekrieg zuzusehen und zuzuhören. Mann und Frau sind sich auf jedem Terrain der Gemeinheit ebenbürtig.

Ein intelligenteres Glück ist zur Zeit in den Programmkinos nicht zu haben – dank dem neuen Amazonas-Filmverleih, der geschworen hat, nur Filme in Originalfassung herauszubringen. Es sind, man glaubt es nicht, deutsche Erstaufführungen. Sie bestärken die Forderung, die Jean Renoir einst erhob: Die Synchronisateure seien wie Ketzer auf dem Marktplatz zu verbrennen.

Karsten Witte