Er zählte zu denen, die die Aura des „Wiener Ensembles“ festigten, jene Legende von der allabendlichen Super-Qualität auf den Wiener Volks- und Staatsopernbühnen, wo, wenn wir der Fama glaubten, immer nur die Karajans, Böhms, Krips’ und Giulinis sich abwechselten, die Schwarzkopf, Ludwig, Seefried und Jurinac, die Kunz, Berry, Weber, Dermota und Schöffler Triumphe feierten und, so ziemlich nebenbei, einen eigenen Mozart-Stil begründeten. Daß auch dort gelegentlich mit Wasser gekocht wurde, erinnert sich der eine oder andere denn doch noch. Gleichviel: Eberhard Waechter, 1929 in Wien geboren, daselbst zunächst in Klavier und Theorie ausgebildet, dann Gesangsschüler, 1953 Debütant an der Volks-, 1955 an der Staatsoper, von dort schneller Aufstieg in den internationalen Sänger-Jet-Set: Mozart, Strauss und Wagner waren seine wesentlichen Autoren, dazu Alban Berg. Seinen Wolfram im „Tannhäuser“ darf man als „Richtschnur“ betrachten, und den „Figaro“ mit ihm unter Giulini muß, wer ihn besitzt, hüten wie einen Augapfel. Warum der 58jährige sich der Tortur unterzog, Direktor an der Volksoper seiner Heimatstadt zu werden, im September vorigen Jahres sogar in den Schleudersitz des Staatsopernintendanten stieg, wissen einzig die Götter. Er versuchte, ein Sparprogramm durchzuziehen, verzichtete auf Neuproduktionen, verordnete Einschränkungen im „Ausstattungsaufwand“, demonstrierte, daß er von der Zeitgenössischen Musik wenig hielt: Abbado kündigte ihm die Mitarbeit auf wie so manch ein Sänger. Die Zeiten waren ihm nicht gewogen, und die Anfeindungen mögen ihn stärker bewegt und beschäftigt haben, als er erkennen ließ. Am Sonntag starb Eberhard Waechter während eines Spazierganges. H.J.H.