Bis vor kurzem waren sich deutsche Banken und Versicherungen alles andere als grün – sie lieferten sich einen beinharten Wettstreit um die Gunst der Sparer. Inzwischen hat sich das Verhältnis grundlegend gewandelt: Assekuranz und Kreditwirtschaft kooperieren bestens miteinander. Ein besonders inniges Verhältnis hat sich dabei zwischen der Allianz und der Dresdner Bank herausgebildet. Die Beziehung ist so eng, daß jetzt das Bundeskartellamt Alarm schlägt. Die Berliner Behörde befürchtet eine bedenkliche Machtzusammenballung und schickt beiden Abmahnungen ins Haus.

Den Allianz-Konzern haben die Kartellwächter schon lange im Fadenkreuz: Sein dominanter Einfluß innerhalb des Versicherungswesens übersteigt das Maß, das für einen funktionierenden Wettbewerb verträglich ist. Doch das Netz des Münchner Riesen ist so raffiniert gestrickt, daß ihm bisher niemand ernsthaft etwas anhaben konnte. Selbst als die Allianz in einem spektakulären Deal mit der Regierung Modrow die staatliche Monopolversicherung der DDR einsackte, mußten die Wettbewerbshüter hilflos zusehen.

Doch nun scheint das Bundeskartellamt ein Haar in der Suppe gefunden zu haben. Das Amt glaubt nachweisen zu können, daß die Allianz mehr als die erlaubten 25 Prozent des Kapitals der Dresdner kontrolliert. Neben dem direkten Besitz von 23 Prozent der Aktien verfüge die Versicherung über einen hohen Anteil indirekter Beteiligungen an der zweitgrößten deutschen Bank. Ein beherrschender Einfluß sei durchaus möglich.

Freilich tanzt deshalb der Chef der Dresdner Bank, Wolfgang Röller, noch längst nicht nach der Pfeife des neuen Allianz-Vorstandsvorsitzenden Henning Schulte-Noelle. Für die konkrete Einflußnahme auf die Geschäftspolitik eines Unternehmens spielen die prozentualen Besitzverhältnisse oft ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. „Beherrschen können wir ein Unternehmen auch mit einer Beteiligung von fünf Prozent“, soll ein früherer Vorstandssprecher der Allianz dem heutigen Kartellamtschef Wolfgang Kartte einmal in einer schwachen Stunde gestanden haben.

Hinter dem Zusammenrücken von Banken und Versicherungen verbirgt sich in Wahrheit etwas ganz anderes: die Abschottung des eigenen Marktes gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Schon in den achtziger Jahren wuchs in der Dresdner Bank die Furcht, Finanzunternehmen aus anderen Ländern könnten sich in das Unternehmen einkaufen. Damals versuchte man, „feindlichen“ Übernahmen durch eine Stimmrechtsbeschränkung vorzubeugen. Doch die wurde von den Gerichten untersagt.

Bald darauf erklärte Wolfgang Röller zur Überraschung manch aufmerksamer Beobachter, man habe jetzt eine andere Lösung gefunden, um ausländische Aufkäufer von der Bank fernzuhalten. Heute ist bekannt, wie diese Lösung heißt: Dresdner-Allianz. Die Bank bringt einen wesentlichen Teil ihrer Aktien bei der Versicherung in Sicherheit – und umgekehrt. Damit das Ganze nicht allzu anrüchig wirkt, werden auch ein paar Holdinggesellschaften in das Geflecht einbezogen.

Parallel dazu werden die Geschäfte im gegenseitigen Einvernehmen aufeinander abgestimmt. Und in wichtigen Bereichen wird direkt miteinander kooperiert. Durch gegenseitige Abkommen haben Banken, Versicherungen und Bausparkassen zum Beispiel den gesamten Vertrieb von Finanzprodukten derart fest unter heimische Kontrolle gebracht, daß ausländische Anbieter so gut wie keine Chance mehr haben. Auch nicht nach der Öffnung des europäischen Binnenmarktes.

Diese Blockadepolitik im Inland hält freilich weder die Allianz noch die Dresdner Bank davon ab, selbst reihenweise Finanzunternehmen im Ausland aufzukaufen. Hier offenbart sich ein höchst fragwürdiges Europaverständnis: Die Grenzen sollen fallen, aber deutsche Unternehmen sollen deutsch bleiben. Dabei hat die Bundesrepublik doch keine schlechten Erfahrungen mit ausländischem Kapital gemacht, wenn man etwa an Ford, Opel oder IBM denkt. Udo Perina