Den Protektionismus der Pharmabranche hat in der vergangenen Woche das Bundeskartellamt verurteilt. Findige Kaufleute, darunter auch der Hamburger Optiker Günther Fielmann, hatten vor einigen Jahren mit Reimporten begonnen. Die Händler kaufen Arzneimittel, die deutsche Firmen im Ausland billiger anbieten, dort auf und transportieren sie in die Heimat zurück. Die Preise unterscheiden sich vor allem bei einigen patentgeschützten Produkten so drastisch, daß die Reimporte trotz Transportkosten bis zu fünfzehn Prozent billiger sind als die Ware direkt vom Hersteller.

Bislang hatten die deutschen Verbraucher allerdings wenig davon, denn die Großhändler, die die Apotheken täglich beliefern, nahmen die Reimporte nicht in ihr Angebot auf. Die Reimporteure, etwa ein halbes Dutzend Firmen, mußten die Mittel deshalb mühsam jeder einzelnen Apotheke verkaufen. Ihr Marktanteil in der Bundesrepublik liegt nur bei knapp einem Prozent. In Großbritannien, wo die Distribution kein Problem ist und auch die Apotheker mitspielen, machen Reimporte bereits acht Prozent des Marktvolumens aus. Das Bundeskartellamt schickte nun den führenden Pharmagroßhändlern Gehe, Anzag und Sanacorp eine Abmahnung und untersagte ihnen den Boykott von Reimporten der Firma Eurim-Pharma. Gehe hatte 1988 mit Eurim-Pharma schon einen Liefervertrag geschlossen, ihn nach einer Sitzung des Pharmagroßhandels-Verbandes dann aber nicht, eingehalten. Nach Ansicht der Berliner Wettbewerbshüter hatten die anderen Verbandsmitglieder so stark auf Gehe eingewirkt, daß der Händler gelieferte Ware zum Teil sogar wieder zurückgab.

Das Kartellamt hofft nun, mit seiner Abmahnung „die Interessengemeinschaft zwischen Handel und Industrie“ aufzubrechen und dem deutschen Gesundheitswesen einen großen Dienst zu erweisen. Nach Schätzungen der Wettbewerbshüter könnten die Krankenkassen jährlich bis zu 500 Millionen Mark sparen, wenn die Apotheken auch Reimporte verkauften. Sie sind schließlich ein Mittel, die Preise marktgerecht zu regulieren – solange der Binnenmarkt das nicht schafft. rz