Springer streicht 1400 Arbeitsplätze

Von Gunhild Freese

Der Start war stürmisch: Am 1. April, seinem ersten Arbeitstag als Personalvorstand beim Axel Springer Verlag, mußte Werner Stumpfe sogleich vor eine außerordentliche Betriebsversammlung in Hamburg treten, um den neuen Mitarbeitern in Verlag und Redaktionen eine drastische Entlassungswelle zu erläutern. Stumpfe war zuvor Personalchef bei Mannesmann Demag und Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Allein in Hamburg, dem bedeutendsten Standort des Zeitungs- und Zeitschriftenkonzerns, sollen 865 Arbeitsplätze eingespart werden.

Die gleiche schwere Aufgabe hatte am vergangenen Sonntag – nur wenige Tage vor seinem Abschied ins Pensionärsleben – Stümpfe-Vorgänger Günther Klenke in Berlin zu erledigen. Der in der Branche hochangesehene Personalmanager hatte Entlassungen von 212 Mitarbeitern in der Hauptstadt zu verkünden.

Insgesamt, so die unfrohe Botschaft der Springer-Personalspitze – unterstützt jeweils von Finanzvorstand Claus Liesner – wird der Pressegigant alsbald auf die Dienste von 1400 Mitarbeitern aus einer Schar von insgesamt 12 600 Beschäftigten verzichten. Damit will Springer den zweiten Teil eines vom Münchner Unternehmensberater Roland Berger erarbeiteten Rationalisierungskonzepts umsetzen. Werden alle Reserven ausgeschöpft, können die Gemeinkosten um sechzehn Prozent sinken – und 165 Millionen Mark im Jahr eingespart werden.

Zuviel Speck angesetzt

Seit der ehemalige Zigarettenmanager Günter Wille im Sommer vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender bei Springer (Objekte: Bild, Hörzu, Welt) wurde, fegt ein kalter Wind durch den Pressekonzern, der in vielen erfolgreichen Jahren "Speck angesetzt" (Wille) hatte. Wille holte den Unternehmensberater Berger als troubleshooter ins Haus. Die erste Konsequenz bekam die hochbestallte Führungsmannschaft zu spüren: Vier der bislang zehn Vorstandsmitglieder mußten im Spätsommer 1991 gehen. Nun ist die zweite Ebene dran. Schon bis Ende dieses Jahres sollen 900 der insgesamt 1400 Abgänge durchgezogen sein. Für die Betriebsräte eine schwerverdauliche Herausforderung. Ruhe und der erhoffte Motivationsschub werden so schnell nicht einkehren.