in faszinierendes Buch! „Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst“ – Donna Williams, eine 27jährige Australierin, eine Außenseiterin, eine Autistin, hat es über ihre Kindheit und Jugend geschrieben. Mit verblüffendem Erinnerungsvermögen schildert sie ihre Ängste als Dreijährige und ihre Phantasien, um diese Ängste abzuwehren. Zum Schutz gegen nächtliche Eindringlinge schuf sie ein Wesen mit grünen Augen, das sie „Willie“ nannte. Willie wurde zum Wesenszug ihrer selbst, der gegen die Außenwelt gerichtet blieb. Viele Jahre hindurch offenbarte sich Willie „mit haßerfülltem, stechenden Blick, verkniffenem Mund, starrer, leichenhafter Haltung und geballten Fäusten. Willie stampfte mit dem Fuß auf, Willie spuckte, wenn ihm etwas nicht paßte...“ In dieser Art agierte Willie-Donna in der Familie, in der Schule, bei Freunden und Bekannten. Gleichaltrigen galt sie als Verrückte.

Donna schuf sich auch eine Begleiterin: Carol. Donna hatte ein liebenswürdiges Mädchen mit diesem Namen im Park kennengelernt. Es blieb eine flüchtige Bekanntschaft. Aber Carol wurde für Donna „das Mädchen im Spiegel“, ein neuer Bestandteil ihrer selbst. Vor dem Spiegel stehend, sprach Donna mit Carol-Donna und hoffte, in die heile Welt des bewunderten, fremden Mädchens eindringen zu können. Das konnte nicht gutgehen. Das Spiegelbild löste unerträgliche Angst aus.

Schließlich bestand Donna darauf, nicht mehr Donna genannt zu werden; Lee wollte sie heißen und damit zum Ausdruck bringen, daß sie niemand anderen für wert hielt, sie mit ihrem ureigenen Namen anzureden. Von außen gesehen, benahm sich Donna Williams nervenzermürbend. Um so mehr erstaunt es, wieviel Anteilnahme und Hilfe sie immer wieder erfuhr.

Die Jugendliche abenteuerte durchs Leben. Oft schlief sie im Freien. Von Männern wurde die Unerfahrene sexuell ausgenutzt. „Leben hinter Glas. Lebender Tod, erträglich gemacht. Reine Furcht vor der einen berührenden Berührung...“, beschreibt sie ihren damaligen Zustand. Erst unbewußt, später bewußt, kämpft Donna Williams um Uberwindung ihres autistischen Lebens. Sie kann heute sagen: „Was mich angeht, so weiß mein Verstand endlich, daß Zuneigung und Freundlichkeit mich nicht töten, wenn meine gefühlsmäßigen Reaktionen dieser Logik auch trotzen.“

Das Buch vermittelt jenen Menschen, die an autistischen Neigungen kranken, nicht nur Mut, sondern auch probate Praktiken, sich aus der Isolation herauszukämpfen. Esther Knorr-Anders