Am 1. Juli 1992 geht es los. Da feiern wir den 250. Geburtstag des Professors der Experimentalphysik, Satirikers, Aufklärers und noch immer zuwenig bekannten Schriftstellers Georg Christoph Lichtenberg mit einer großen Hessischen Landesausstellung „Wagnis der Aufklärung“ in Darmstadt. Nein, es geht schon am 28. Juni los, weil an einem Sonntag besser zu feiern ist. Am 1. Juli 1742 ist Lichtenberg als jüngstes Kind des Pfarrers von Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren – und der große Gelehrte Ernst Robert Curtius mochte sich vor vierzig Jahren die Frage nicht verkneifen: „Hätte die Darmstädter Akademie Lichtenberg aufgenommen?“ Weil dieses und manch anderes Fragezeichen an ihnen hängt (Kann man Leben und Werk eines so aus der Sprache lebenden Geistes überhaupt ausstellen?), fangen die Veranstalter der Ausstellung jetzt schon an – mit einer gutgemachten zwölfseitigen Zeitung, der bis zum Jubel-Geburtstag noch zwei weitere Ausgaben folgen (Ausstellungsbüro CGL, Emilstraße 10, 6100 Darmstadt). Die informative, witzig komponierte Zeitung lesend, erfahren wir, daß es mit Lichtenberg und der Ausstellung schon vor zwei Jahren losgegangen ist: Seither wird nämlich (für 1,6 Millionen Mark) geforscht, unter einem Beirat illustrer Namen. Stellen wir also neben die Skepsis, die wir von Lichtenberg lernen können („Die Lüftung der Nation kommt mir zur Aufklärung derselben unumgänglich nötig vor. Denn was sind die Menschen anders als alte Kleider? Der Wind muß durchstreichen“), die Hoffnung auf eine schöne, lehrreiche Schau – denn Lichtenberg rät auch: „Schlecht disputiren ist immer besser als gar nicht, selbst kannegießern macht die Leute weiser, wenn gleich nicht in der Politik, doch in andern Dingen. Das bedenckt man nicht genug.“ rm