Ross Perot will Amerika von seinen Schwächen befreien

Von Ulrich Schiller

Dallas, Ende März

Ist es ein Aufbruch, der sich in den Vereinigten Staaten rührt? Oder beginnt ein Ausbruch aus dem Zweiparteiensystem, das vom tragenden Korsett zur abgetragenen Zwangsjacke geworden ist? Unruhe, Aufbegehren und Drang nach wirklichem Wandel deuteten sich seit langem an. Jetzt haben sie den Vorwahlkampf für die Präsidentschaft erfaßt, und Außenseiter sind dabei, die Stimmungen für ihre Ziele zu kanalisieren.

Zuerst erschien Pat Buchanan, der auf der Rechten mit seinem Schlachtruf America First das ideologische Feuer der Konservativen neu entzündete; gegen George Bush. Dann trat bei den Demokraten Jerry Brown auf den Plan, und er sprengt seither mit demagogischem Geschick alle Regeln der Parteisolidarität und der guten Sitten. Den Spitzenreiter im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, seinen Rivalen Bill Clinton, traktiert Brown mit einem Vokabular, das der Parteivorsitzende als "Taktik der verbrannten Erde" verdammt hat. Doch der ehemalige Gouverneur von Kalifornien trommelt weiter; wenn nicht für seine Nominierung, dann wenigstens für eine "Bewegung an der Basis", mit der er die Demokratische Partei ummodeln will.

Jetzt ist ein dritter Außenseiter in den Ring getreten, der Amerika verändern will. Ross Perot hat nun wirklich keine politische Erfahrung, und Washington, das Weiße Haus, der Kongreß, das Establishment, die think tanks sind ihm so fern wie ein anderer Planet. Am 20. Februar ließ der Computer-Milliardär in einer Talk-Show beinahe beiläufig fallen, daß er bereit sei, für die Präsidentschaft zu kandidieren, wenn ihn die Wähler riefen. Die Botschaft seines Auftritts war: Wenn nicht endlich einer den Augiasstall in Washington ausmistet, ist es für Amerika zu spät. Noch an jenem Abend liefen die Telephone heiß, bei der Fernsehgesellschaft CNN und in seinem Büro. Inzwischen nähert sich die Zahl der Anrufe der Anderthalb-Millionen-Marke.

Die Telephone laufen heiß