Die Kampfparolen der Republikaner

Von Bartholomäus Grill

Freudenstadt, Ende März

Mitten im Schwarzwald, "gleichsamb im Waagrecht und Centro desselbigen", liegt nach der "Topographia Sueviae" des Kupferstechers Merian der Kurort Freudenstadt. Muß er demnächt in Fremdenstadt umbenannt werden? Schon 2399 Ausländer wohnen hier – und nur noch 20 274 Deutsche. "Die Nichtdeutschen sind bereits 11,8 Prozent." Der örtliche Oberfunktionär der Republikaner hat diesen Wert bis hinters Komma ausgerechnet. "Liebe deutsche Freunde, da kommt die Überfremdung!"

Die deutschen Freunde – ein Schock junger Leute, kaum jemand älter als 25, und eine Handvoll alter Nazis. Im Clubraum des Schwimmbades Panorama hören sie, wer Schuld trägt am Schlamassel: "Die Asylantenparteien" – SPD und FDP, die Grünen sowieso. Und natürlich auch Erwin Teufels CDU, obwohl sich deren Flügelkämpfer große Mühe geben, die Republikaner im Asylstreit rechts zu überholen. Die Asylantenparteien, wettert der Oberfunktionär, hätten keine Dämme gegen die Menschenflut gebaut.

Ländleauf, ländleab füllen die Schönhuberisten die Säle. Sie treten in allen siebzig Wahlkreisen an: "Wir Republikaner kommen!" Kommen? Sie sind längst da – mit 71 Mandaten in Baden-Württembergs Rathäusern. Ihre Chancen stehen diesmal auch bei den Landtagswahlen nicht schlecht. Wahlforscher prophezeien ihnen 4,9 Prozent. "Wählen Sie Männer wie unseren Landesvorsitzenden." Christian Käs tritt ans Pult: "Schauen Sie, wo Sie hingucken: Überall wird rechts gewählt." Dann folgt der Jurist jener Stammtischlogik, die man im Wahlprogramm seiner Partei studieren kann. Der Übersatz lautet stets: Alle Übel kommen von der Asylpolitik. Die Untersätze: Die Asylantenschwemme verschärfe die Wohnungsnot; sie steigere die Kriminalität; sie gefährde die innere Ordnung; sie schädige die Umwelt. Conclusio: Grenzen dicht, Artikel 16 weg, Ausländer raus. Signale, die man "bis ins letzte Negerdorf in Afrika" hören soll.

Fast die Hälfte des wirren Landtagswahlprogrammes der Republikaner handelt von Verbrechern, Asylbewerbern und Ausländern. Aber weil selbst diese Lektüre ziemlich trocken ausfällt, liefert Käs Anschauung aus den Asylantenheimen: Da gebe es Edelholztüren und Kabelanschluß und geblümte Kacheln. Das Niveau der Veranstaltung sinkt schneller als der Bierpegel. Schließlich tritt der Gastredner auf, ein gewisser Gerd Selbach, der sich als parteiloser Regierungsberater und UN-Experte ausgibt. Seine Expertise über ethnische Minderheiten: "Solange man drauf schießen darf, habe ich nichts dagegen." Heftiger Applaus im Publikum. "Wie stehen Sie zu dieser Äußerung, Herr Käs?" fragt ein junger Mann von der Jungen Union. Man müsse "dem freien Wort Raum geben", antwortet Käs. "Ich sehe nicht ein, mich von irgend jemand distanzieren zu müssen."