Eurocheques waren in Frankreich noch nie sonderlich populär. Von einer Reihe genossenschaftlicher Banken abgesehen, propagierten die staatlichen wie privaten Kreditinstitute lieber ihre Carte Bleue, statt sich dem von fast fünfzig Millionen Menschen in ganz Westeuropa genutzten ec-System anzuschließen. Wer etwa als ausländischer Tourist seinen Eurocheque einlösen will, wird sich oft darüber wundern, wieviel das kostet. Und eine Pariser Modeboutique, die beispielsweise einen deutschen Eurocheque akzeptiert, muß dafür auch Gebühren bezahlen. Ein Unding, entschied jetzt die Brüsseler Kommission, und verhängte auf Drängen ihres Wettbewerbskommissars Sir Leon Brittan Strafen wegen unerlaubter Absprachen.

Zehn Millionen Mark muß das Groupement des Cartes Bancaires (CB) abliefern, das die französischen Banken im Eurocheque-System vertritt; zudem muß auch die in Brüssel ansässige Eurocheque International, in der etwa 700 Banken zusammengeschlossen sind, zwei Millionen Mark zahlen. Vor bald zehn Jahren hatten sich die beiden Partner in Helsinki abgesprochen, unter welchen Bedingungen der französische Einzelhandel Eurocheques annehmen sollte. Selbstredend waren die vereinbarten Konditionen vor allem für die Banken vorteilhaft, denn die kassierten gleich doppelt: einmal eine Kommission vom Einzelhändler dafür, daß der ausländische Scheck überhaupt eingelöst wurde; und dazu eine zweite Kommission von der ausländischen Bank, auf die der Scheck ausgestellt war. Natürlich wurde letzten Endes der Scheckbenutzer mit den Kosten belastet.

Nirgendwo außer in Frankreich galt diese Methode des doppelten Abkassierens, die bis Mai 1991 praktiziert wurde und den französischen Banken Einnahmen von schätzungsweise fünfzehn Millionen Mark bescherte. Grund genug, so EG-Kommissar Brittan, um ein Exempel zu statuieren. Sir Leon wollte gleich dreißig Millionen Mark Buße kassieren, wurde aber vor allem von den beiden französischen Kommissionsmitgliedern gebremst, die für eine eher symbolische Summe plädierten.

Nur Eurocheque International "sieht sich nicht in der Lage, die Gründe, die zu diesem Beschluß führten, zu verstehen". Die Vereinbarung von Helsinki habe sich schließlich als vorteilhaft für alle Bürger erwiesen, denn zuvor hätten die französischen Geschäfte Eurocheques überhaupt nicht oder nur widerwillig in Zahlung genommen. Im übrigen hätten weder die beteiligten Banken noch die Scheckorganisation selbst irgendeinen finanziellen Nutzen aus der Preisabsprache gezogen, die gar keine gewesen sei. Die beiden bestraften Organisationen wollen nicht zahlen und haben Berufung gegen die Entscheidung der EG eingelegt.

Gleichzeitig aber kündigt die Eurocheque-Zentrale an, sie wolle als "innovativer Marktführer" den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr weiter erleichtern – und das wäre ganz im Sinne Sir Leons. Der unermüdliche Engländer brachte nämlich in der vergangenen Woche auch ein Dokument unters Volk, das zumindest im Titel das Ende der Barrieren für internationale Überweisungen fordert. Auch hier zielt Brittan in erster Linie auf die Banken: Nach seiner Überzeugung ist es ihre Schuld, wenn die Zahlungen zwischen EG-Ländern längst nicht "so billig, so schnell und so zuverlässig" sind wie innerhalb jedes einzelnen Landes.

Im September 1990 hatte die EG-Kommission die Kreditinstitute ein erstes Mal zu mehr Transparenz ermahnt; zwei Arbeitsgruppen, an denen alle Interessenten beteiligt waren, berieten seit März vergangenen Jahres in Brüssel. Brittans Mitarbeiter haben Beispiele dafür gefunden, daß eine grenzüberschreitende Überweisung mehr als zwanzigmal so teuer sein kann wie innerhalb ein und desselben Landes.

Der Schlüssel zur Beschleunigung und Verbilligung solcher Transaktionen könnte in der Abkehr vom System der Korrespondenzbanken liegen. Heute steht in aller Regel zwischen dem Konto, das belastet wird, und dem Empfängerkonto im Ausland eine dritte Bank im Bestimmungsland, über die der Transfer abgewickelt wird. An die Stelle dieser umständlichen Praxis müßte ein grenzüberschreitender Giroverkehr treten, der die nationalen Verrechnungssysteme miteinander verbindet und (analog zu Inlandsüberweisungen) elektronische Verrechnungen vornimmt. Hier sieht die EG-Kommission die Möglichkeit für eine grundsätzliche Lösung, die Banken sind jedoch über das Stadium von Beratungen noch nicht hinaus.