Von Ludwig Siegele

ZEIT: Herr Perigot, Frankreich ist dieses Jahr Ehrengast auf der Hannover Messe bis zum 8. April. Allerdings häufen sich jetzt die Probleme zwischen den beiden Ländern: Bonn widersetzt sich einer europäischen Industriepolitik, Paris ärgert sich über die hohen deutschen Leitzinsen. Und die Franzosen fürchten, daß die Bundesrepublik doch noch dem amerikanischen Druck nachgibt und in den Gatt-Verhandlungen einer massiven Senkung der Agrarsubventionen zustimmt.

Perigot: Zwischen zwei Ländern gibt es immer Probleme zu lösen. Das ist normal. Dennoch bleibt Frankreich Deutschlands größter Handelspartner und umgekehrt. Und wenn die beiden Länder gemeinsam auf der Messe auftreten, dann um zu zeigen, wie wichtig wir ökonomisch füreinander sind.

ZEIT: Die französische Regierung ruft nach einem industriepolitischen Konzept etwa für die europäische Elektronikbranche. Die deutsche Seite fürchtet staatliche Eingriffe. Können die Positionen versöhnt werden?

Perigot: Das ist ein alter ideologischer Streit, den man nicht neu anzetteln sollte. Das Problem liegt doch woanders: Der europäische Binnenmarkt ist noch unvollständig; Europa hat sich industriell noch nicht gefunden, vor allem in den Branchen Elektronik, Automobil oder Textil. Ich glaube, darüber sind sich alle Beteiligten einig.

ZEIT: Die Europäische Gemeinschaft sollte also ihrer Industrie helfen, sich zu organisieren?

Perigot: Genau. Und auch da sind alle einer Meinung: Wir müssen den europäischen Wirtschaftsraum optimal ausbauen, bevor wir ihn vollständig öffnen. Aber welche Mittel wir dazu auch immer einsetzen, sie müssen mit der Marktwirtschaft vereinbar sein. Es ist nicht Aufgabe der Politik zu entscheiden, welche Unternehmen sich wann und wie zusammenschließen. Das muß der Markt machen.