Von Udo Perina

Jahrzehntelang standen die deutschen Kreditinstitute in ähnlich hohem Ansehen wie die Polizei und die Justiz, behauptet der Bankenverband stolz. Aber das Renommee ist jetzt nicht mehr so gut wie früher. Die Verbraucherzentralen berichten über eine starke Zunahme der Beschwerden über Banken und Sparkassen: Kreditnehmer fühlen sich übers Ohr gehauen, immer häufiger beschweren sich Sparer und Anleger über schlechte Beratung und hohe Gebühren.

Über "keinerlei Entgegenkommen und partnerschaftliches Verhalten" beklagt sich der Wohnungskäufer Günther W. beim Vorstand der Hamburger Sparkasse. Das Institut habe ihn, "juristisch natürlich abgesichert", um rund 7500 Mark Disagiorückzahlung gebracht. "Wir werden Ihre Bank niemanden empfehlen können", schrieb das Ehepaar B. aus Trier an den Vorstand der KKB-Bank, weil es sich von den Angestellten der Bank regelrecht "gedemütigt" fühlt. Erst hätten die Banker dem Paar einen Kredit regelrecht aufgedrängt, doch als der Ehemann arbeitslos wurde, habe man um jeden Hunderter vom eigenen Girokonto betteln müssen. Und Jutta V. aus Göttingen fühlt sich als Anlegerin hereingelegt, und zwar vom Primus der Branche; in einem Brief an Rolf-E. Breuer vom Vorstand der Deutschen Bank verlangt sie "vollen Schadenersatz", weil die Bank zum Kauf einer völlig faulen Aktie geraten habe.

Bestärkt fühlen sich unzufriedene Kunden durch einige Gerichtsurteile aus den vergangenen Jahren. Gleich mehrmals wurde Banken und Sparkassen höchstinstanzlich nachgewiesen, daß sie ihre Klienten übervorteilt hatten. Große wie kleine Institute – öffentliche genauso wie private und genossenschaftliche – haben Einzahlungen auf Girokonten nicht rechtzeitig gutgeschrieben, Tilgungsraten falsch verrechnet und Disagien bei Kreditkündigung nicht zurückgezahlt. Wie steht es da mit der "Fairneß" gegenüber dem Kunden?

Zusätzlich belastet wurde das Vertrauen im vergangenen Jahr von einer Skandalserie rund um die Frankfurter Börse. Erst sollten sich nur ein paar Insider unfein bereichert haben, dann flog ein massenhafter Steuerbetrug auf. Noch immer ermittelt der Staatsanwalt gegen fast 300 Mitarbeiter der Bank- und Börsenszene. Als sei es der Peinlichkeiten nicht genug, setzte gegen Jahresende Hessens Wirtschaftsminister noch eins drauf: Er gab bekannt, daß angeblich auch amtliche Börsenmakler – Hand in Hand mit diversen Banken – seit Jahren regelmäßig Dividenden "strippen". Durch geschickte Kreis-Transaktionen wurde damit der Staat um seinen Anteil am Gewinn gebracht.

Einzelne Bankkunden ziehen ihre Konsequenzen: Sie wechseln das Institut oder wenden sich freien Beratern zu. Nicht selten freilich hat dieser Schritt fatale Folgen, denn so mancher Sparer oder Kreditnehmer wird dann erst recht über den Tisch gezogen. Die Zahl betrügerischer Geldgeschäfte auf dem sogenannten "grauen Markt" nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das Bundeskriminalamt hat ermittelt, daß die seriösen Banken und Sparkassen an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig sind: Weil immer mehr Kunden das Vertrauen in die Kreditinstitute verlieren, so das BKA, hätten windige Finanzgauner ein immer leichteres Spiel.

Offiziell weigern sich Banken und Sparkassen zwar noch beharrlich, die offenkundigen Vertrauensprobleme zuzugeben. Hinter vorgehaltener Hand allerdings gestehen Bankensprecher längst ein, daß das Image der Branche zumindest angekratzt sei. "Deutsche Bank sorgt sich um Vertrauen der Privatkunden" meldete Anfang des Jahres die FAZ-Sonntagszeitung unter Berufung auf "Stimmen in der Bank". Damals war bekannt geworden, daß Frankfurter Mitarbeiter der Bank sich auf Kosten von Kunden bereichert haben sollen.