Wer oder was hätte er sein mögen? „Philosoph“, hat Volker Rühe darauf im Fragebogen der FAZ einmal geantwortet. Da saß er aber schon ein paar Monate im elften Stock des Konrad-Adenauer-Hauses und war (seit Herbst 1989) Generalsekretär der CDU als Nachfolger des geschaßten Heiner Geißler. Auf die Kontrollfrage übrigens, was er sein möchte, erwiderte Rühe damals: „Nichts anderes.“ Philosoph? Generalsekretär? Nichts anderes als Rühe pur?

Außenminister wollte er werden, das wußte man. Jetzt hat Helmut Kohl ihn auf die Hardthöhe abkommandiert. Rühe kann von Glück sagen, wenn er gefragt wurde. Aber aus der CDU-Zentrale wollte er ja heraus.

Volker Rühe, Jahrgang 1942, ein Hamburger ganz gewiß, aber eher ein Sekretär als ein General. Es fiel ihm offenbar nicht schwer, sich ein- und unterzuordnen, wo immer in der Regie Kohls er eben Platz nehmen sollte. Das, was er eigentlich sein wollte, ahnte man dann allenfalls. Als er anfing, offener zu sprechen, zum Beispiel, die Lage der CDU mit ihren schwindenden Mitgliederzahlen und ihrer fortschreitenden Überalterung in der Führung als „zum Teil katastrophal“ zu bezeichnen, da wäre er fast in Acht und Bann geraten.

Volker Rühe hat sich die Herzen seiner Partei nicht erobert. Es half nichts, wenn er losdonnerte gegen die Opposition und deren „Wandel durch Anbiederung“. Ähnlich verhielt es sich mit seinem Steckenpferd, der Genscher-Kritik. Einige Freunde applaudierten, als er dem Fuhrmann Genscher vorwarf, altes Denken zu verkörpern. Das reichte aber nicht, um sich als Mann des neuen Denkens zu präsentieren.

Er ist sachkundig, zumal in der Außen- und Sicherheitspolitik. Er weiß sehr viele Antworten, eher zu viele. Er hat manches falsch gemacht, aber gehört hat man das nicht von ihm. Es war ja auch nicht immer leicht. Die CDU-West mit der Block-CDU aus dem Osten zu vereinen, das ist schon ein Kunststück. Noch schwerer war es, Triumphgeschrei zu vermeiden, als die Mauer brach und das System im Osten auch. Rühe hielt sich zurück.

Rühe bringt auf die Hardthöhe einiges mit. Erfahrungen, Beschädigungen, Sachkenntnisse, eine Mischung aus Selbstgewißheit und Argumentationsbereitschaft. Nicht immer stimmt das Mischungsverhältnis. Die Welt aber, in die er kommt, ist ihm vertraut. Er kennt die Community. Vielleicht ist das Amt sogar besser auf ihn zugeschnitten als das Generalsekretariat mit seiner verrückten Neigung zur Parteilichkeit, wo sich die Schwächen offenbarten, aber die Stärken ungenutzt blieben. gho