Ab und an erfahren wir Neues, doch leider nie Genaues, über hochgestellte Wessis, die für die Hauptverwaltung Aufklärung der einstigen DDR gearbeitet haben sollen. Honeckers Geheimdienstchef Markus Wolf ließ uns vor eineinhalb Jahren wissen: „Immerhin sitzt noch ein Staatssekretär, der uns, ich möchte sagen, sehr gewogen ist, drüben.“ In der Zwischenzeit muß dieser Agent Kabinettsrang erreicht haben, dann zurückgetreten, aber Abgeordneter geblieben und in russische Dienste übergewechselt sein. Denn: „Er war Minister, wahrscheinlich ein Mann. War nicht Kanzler, sitzt aber heute noch im Bundestag.“ Dies ist die jüngste Information, nunmehr aus dem Munde des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten und Chefs des Bundesnachrichtendienstes, Heribert Hellenbroich. Wolf behauptet zu wissen, von wem er redet. Hellenbroich „tippt“ nur „auf eine bestimmte Person“. Auf ein und dieselbe?

Vielleicht sollten die früheren Geheimdienstkollegen ihr Herrschaftswissen erst einmal miteinander abstimmen, ehe sie weiterhin das Publikum verwirren. Über Hellenbroich heißt es im Munzinger-Archiv, er sei „alten Beamtentraditionen verpflichtet“. Die Stelle muß gestrichen, der so Belobigte aber in seine – fortgeltende – Beamtenpflicht genommen werden: Wenn er von einem Sachverhalt erfährt, der zwangsläufig strafrechtliche Ermittlungen auslöst, hat er sich an die Justiz zu halten und keine Zeitungsinterviews zu geben.

H. Sch.