Lange Gesichter gab es in den Börsensälen, als der Deutsche Aktienindex (Dax) am Wochenbeginn bis auf die Marke von 1700 durchsackte (der Spitzenstand lag in diesem Jahr bei 1770). Die Stimmung besserte sich aber rasch, denn die bei 1700 vermutete Widerstandslinie hatte gehalten. Auf der ermäßigten Basis kam es zu Anlagekäufen einiger institutioneller Investoren. Dabei zeigte sich, daß die immer noch reichlich vorhandene Liquidität zu den wichtigsten Marktstützen gehört.

Nur so ist es zu erklären, daß die schlechteren wirtschaftlichen Fundamentaldaten bisher zu keinen tieferen Kurseinbrüchen an der deutschen Börse geführt haben. Auch die an fünf Prozent herangerückte Rate der Geldentwertung wurde ohne nennenswerte Reaktion verkraftet. Allerdings scheint sich immer mehr die Ansicht zu verfestigen, daß die Bundesbank im zweiten Halbjahr an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten wird. Das bewirkt am Aktienmarkt eine eher defensive Anlagepolitik.

Deshalb braucht die Börse aber nicht uninteressant zu werden. Die letzten Tage haben gezeigt, daß es immer wieder zu Sonderbewegungen kommt. Zeitweise fester tendierten VW-Aktien, für die auch im Ausland das Interesse gewachsen ist. Der Gewinneinbruch der VW-Division des Konzerns wurde offenbar durch eine Personalie überkompensiert: Die Berufung von Ferdinand Piëch an die Spitze des Volkswagenkonzerns wurde von der Börse positiv aufgenommen. Als billigste der dreißig im Dax enthaltenen Aktien gilt die von BMW, für sie gab es zeitweise kurssteigerndes Kaufinteresse.

Gelegentliche Meinungskäufe sind in den Aktien der Maschinen- und Anlagenbauer zu beobachten. Ausgelöst wurden sie durch die Nachricht von den wieder steigenden Auftragseingängen, vor allem aus dem Ausland. Ob hier schon eine Trendumkehr eingetreten ist, wird sich allerdings erst in den nächsten Monaten zeigen. Die Börsianer sind zunächst einmal froh über jedes positive Konjunkturanzeichen.

Der Druck auf die Aktien der Dresdner Bank, ausgelöst durch den Anstoß, den das Bundeskartellamt an der Allianz-Beteiligung genommen hat, war nur von kurzer Dauer, zumal sich die Abgaben in engen Grenzen gehalten hatten. Selbst wenn die Allianz gezwungen werden sollte, ihren Bestand an Dresdner-Bank-Aktien zu verringern, so wird sie dies bestimmt nicht über die Börse abwickeln, sondern sicherlich Wege finden, die den Markt der Dresdner-Bank-Aktien nicht belasten.

K.W.