Die Sonne wärmte schon die Haut, die Mädchen schauten frecher als noch vor zwei Wochen. Iwan Pantelejewitsch Grosdanow, genannt Grosny, KGB-Leutnant, rekelte sich behaglich auf der Bank, schaute hinüber zum Physikalischen Institut, schaute auf seine Armbanduhr. Noch eine Stunde, dann würde Sugarow das Gebäude verlassen – Andrej Sugarow alias IM "Feliks", ein stilles Schwert der Partei, seit gestern enttarnt als CIA-Doppelagent "Bucharin". Grosnys Hand in der Manteltasche tastete kühlen Stahl. Warte, Freundchen!

Sugarow erschien nicht, weder nach einer noch nach zwei Stunden. Er war längst weg. Nicht nur Grosny kam zu spät. In der ganzen Sowjetunion entwischten dem KGB an diesem Tag Schädlinge und Volksfeinde. Man schrieb den 5. März 1953. Alle Uhren blieben stehen. Stalin war tot.

Ein solcher Stillstand der Zeit hat sich beim KGB nie wieder ereignet – nicht, als Berija zu seinen Opfern versammelt ward, nicht, als es Chruschtschow in der Uno den Schuh auszog, auch nicht beim Tode von Breschnjew, Andropow und Tschernjenko. Denn nach der Pleite vom 5. März 1953 versah der sowjetische Geheimdienst seine Tschekisten mit Spezialuhren. Die liefen und liefen und tun das noch heute, da längst durch Gorbatschows konterrevolutionäre Diversion das Erbe des Roten Oktober an den Klassenfeind verschleudert ist.

In diesen Zeiten antikommunistischer Hysterie hat sich eine tapfere Firma aus Hannover Sinn für zeitlose, besser: zeitgemäße Klassik bewahrt. Sie bietet exklusiv eine streng auf 1999 Exemplare pro Typ limitierte Sammler-Edition der Uhren des KGB an – mit Zertifikat und ausdrücklicher Zustimmung des Geheimdienstes.

Drei Sorten zum Stückpreis von 499 Mark stehen zur Auswahl. Zunächst die "KGB Operational", die Uhr für die Männer der Tat, eindeutig für den rauhen Einsatz konzipiert: "Dieses zuverlässige Uhrenmodell, auch härtesten Strapazen gewachsen, zeichnet sich durch Eigenschaften aus, auf die Männer Wert legen, die auf ihre Uhr keine Rücksicht nehmen können. Das genau gehende Automatik-Werk macht den Träger unabhängig von Batterien, die möglicherweise gerade dann versagen, wenn es darauf ankommt." (Siehe den Fall Sugarow!)

Weiter wäre da die "KGB Officer" für den Führungskader: "Selbstbewußt prangt das KGB-Emblem auf dem weißen Zifferblatt mit aufgesetzten, vergoldeten Stundenmarken und ebenfalls vergoldeten römischen Ziffern." Schließlich die Krönung, die "KGB President": "Eine Uhr mit männlich-markanter Note – eine echte Sammler-Rarität, deren Wert nur steigen kann. Wer kann schon von sich behaupten, die gleiche Uhr zu tragen wie die russische Führungselite?"

Schlagen Sie zu! Sie kompromittieren sich keineswegs als Undemokrat, denn auch der Uhrenlieferant erklärt zum Thema KGB, "daß eine solche Organisation – zumindest in der bisherigen Form – nicht in das Bild eines sich demokratisierenden Systems paßt... Die ganze freie Welt ist glücklich über diese Entwicklung."