In der deutschen Politik war die Hardthöhe seit jeher ein Himmelfahrtskommando. Von den zehn Bundesverteidigungsministern seit 1955 haben nur wenige das Amt mit heiler Haut und unbeschädigtem Ansehen verlassen.

Der erste, Theodor Blank, scheiterte am Ehrgeiz seiner Aufstellungsziele und am Ehrgeiz von Franz Josef Strauß; der Posten war ihm „mehr als ein Martyrium“. Strauß brach sich nach sechs Jahren in der Spiegel-Krise das Genick. Sein Nachfolger, Kai-Uwe von Hassel, verschliß sich in der Starfighter-Krise und räumte bei der Bildung der Großen Koalition für Gerhard Schröder das Feld. Schröder stieß als erster Verteidigungsminister auf finanzielle Grenzen; er verließ die Hardthöhe als kranker Mann.

Es folgten drei Sozialdemokraten. Helmut Schmidt versah sein Amt mit Kraft und Richtungssinn – und verließ es, ehe Verschleiß und Affären ihn einholen konnten. Georg Leber wurde in eine Reihe von Generalsaffären verstrickt und räumte – aufrechter Haltung und ungebrochenen Ansehens – wegen einer Geheimdienstaffäre das Feld, für die er die politische Verantwortung übernahm. Hans Apel führte das Ministerium lustlos, lieblos, am Ende glücklos.

Inzwischen hat das Martyrium drei weitere CDU-Opfer gefordert. Manfred Wörner geriet nach anderthalb kräftigen Anfangsjahren in den Strudel des Kießling-Skandals. Rupert Scholz, dem eigene fachmännische Einsicht ebenso fehlte wie erwiesenes bürokratisches Stehvermögen und erprobte politische Durchsetzungskraft, ein intelligenter Mann mit der falschen Art von Intelligenz für den Job, war nach elf Monaten am Ende. Gerhard Stoltenberg aber, von früheren Verdiensten ausgebrannt, wurde weder mit seinem Haus fertig noch mit der Veränderung der Weltläufte. Seit langem war er amtsmüde, aber er wollte selber den Zeitpunkt seines Ausscheidens bestimmen. Er hätte sich der Sentenz des früheren Labour-Verteidigungsministers George Brown entsinnen wollen: „Für den Rücktritt gibt es nie einen idealen Zeitpunkt und auch nie einen idealen Streitpunkt.“ Besser, man geht, solange man kann, und nicht erst, wenn man muß.

Volker Rühe, der elfte Bundesverteidigungsminister, ist robust, intelligent, in seiner Partei politisch von Gewicht. Der Fünfzigjährige hat außenpolitischen Verstand, führt eine klare Sprache, kann sich in die Nöte des Mannes im dritten Glied hineindenken. Der Kanzler hat ihn auf die Hardthöhe dienstverpflichtet. Es sind ihm das Fingerspitzengefühl und die Fortune zu wünschen, die so vielen seiner Vorgänger abgingen. Th.S.