Schokoriegel-Dealer

Wenn ein Supermarkt zum Klauen animiert, dann ist er richtig aufgebaut und dekoriert. Ob Supermarkt oder Drogenmarkt: Die unstillbare Lust wecken ist Voraussetzung für ein gutgehendes Geschäft. Darüber ist sich die Branche völlig einig. Dennoch wird Ladendiebstahl hierzulande wie kaum ein anderes Delikt unter Aufgebot aller Umstehenden geahndet. Für Hinweise wird mit Belohnungen gelockt, für den Täter samt Beute gibt es sogar Kopfgeld. Und für den Ladendieb selbst peinlichste Szenen in aller Öffentlichkeit bis hin zum Ladenverbot. Das alles gilt indessen nicht für die lieben Kleinen, sofern sie noch nicht das sechste Lebensjahr überschritten haben.

Der Informationsdienst der Verbraucherinitiative ist der Frage nachgegangen, ob Eltern zahlen müssen, wenn ihre kleinen Kinder von den Schokoriegeln abbeißen, die ihnen im Laden quasi in den Mund ragen, besonders in der Warteschlange vor der Kasse. Im Prinzip müssen die Eltern nicht zahlen! Sie müssen nur überzeugend versichern, daß sie ihrer Aufsichtspflicht Genüge getan, aber schließlich ihre Augen nicht überall zugleich haben können. Der kleine Ladendieb indessen sollte noch in einem Alter sein, in dem sie oder er zwischen mein und dein (noch) nicht unterscheiden können. Da es über einen so läppischen Streitwert kein Grundsatzurteil gibt, wird jeder Krach an der Kasse zwischen dem Filialleiter und den Eltern extra ausgetragen werden müssen.

In diesem Fall hat der Supermarkt zu wählen zwischen einem Pfennigverlust oder dem Verlust einer Kundin oder eines Kunden. Es gibt sogar noch eine dritte Möglichkeit: die Waren anders aufbauen, Kinder nicht immer zum Zugreifen verlocken, genauer gesagt, nicht mit Schokoriegeln dealen.

Latin Lover

Die europäische Frauenbewegung bewegt sich doch noch. In Italien kommt sie wieder ins Rollen. Hatte noch in den siebziger Jahren der damalige italienische Ministerpräsident den Feministinnen gedroht: „Eure Männer werden euch verlassen“, sagt heute die Grünen-Politikerin Letizia Battaglia: „Der Mann ist ein Luxus. Er bietet wenig Schutz. Er ist unwirtschaftlich. Wir Frauen ernähren uns besser allein.“ Die Frankfurter Rundschau wußte zu berichten, daß unter italienischen Frauen ein neues Schlagwort kursiert. Es heißt affidamento. Was soviel bedeutet wie: vertrauen, sich verlassen, nämlich auf die Frauen, „Frausein nicht mehr als Mangel hinnehmen, sondern als Fremdheitsgefühl in einer von Männern genormten Welt“.