Von Joachim Fritz-Vannahme

Paris, im April

Auf den sexy Panther folgte ein knuffeliger Plüschhund, auf die changierende Femme fatale Edith Cresson der farblose und folgsame Pierre Bérégovoy. In der Rechten ein blanker Knochen, am Halsband eine Handvoll Dollar, hatte "Bere-Ouah-Ouah" an diesem Montag seinen ersten großen Auftritt in der französischen Muppet-Satire Bebete-Show. Das Tierchen bellt nicht, es beißt nicht, es ist einfach nett. Dieser Ministerpräsident darf keinem weh tun und muß es allen recht machen. Denn nur elf Monate bleiben Pierre Bérégovoy und seiner neuen Regierung bis zu den Wahlen zur Nationalversammlung.

Das ist viel zuwenig Zeit, als daß neue Projekte reifen und greifen könnten, aber vielleicht Zeit genug, um etwas für das heruntergekommene Ansehen der Sozialisten und ihres Präsidenten François Mitterrand zu tun. Von dieser Regierung erwarten die Franzosen allenfalls die Abwicklung alter Projekte wie die Ratifikation des Maastrichter Abkommens oder eine damit verknüpfte Verfassungsreform.

Bérégovoys Kabinettsliste präsentiert das letzte Aufgebot der Sozialisten, denen nach ihrem Wahldebakel im März kein Reformkommunist und kein sozialliberaler Zentrist, kein Grüner und kein Unabhängiger mehr seine Dienste anbieten mochte. "Erneuert, verjüngt und ganz und gar solidarisch" wünschte sich Bérégovoy seine Ministerriege. Doch es sind zumeist nur die alten Gesichter auf neuen Plätzen. Edith Cresson mußte mit einem Kabinett regieren, in dem jeder nur seine eigenen Interessen pflegte und der Regierungschefin oft die Gefolgschaft verweigerte. Beregovoys Mannschaft gehorcht nur zwei Herren – dem Fürsten im Elysée, dem Bérégovoy in den acht Jahren seiner Ministerlaufbahn kaum einmal widersprach, und dem Führer der Sozialisten, Laurent Fabius, zu dessen Parteiflügel der Premierminister seit langem gehört.

Verschwunden ist mit der unabhängigen Cresson auch Erziehungsminister Lionel Jospin. Im März 1990 hatte er beim Sozialistenkongreß gegen den Willen des Präsidenten die Wahl von Fabius zum Parteichef verhindert. Jospin, eine der integersten Gestalten in dieser von Affären und Skandalen erschütterten Partei, sollte jetzt auf den Botschafterposten in Bonn abgeschoben werden.

Im neuen Kabinett bestimmen nur noch die Gefolgsleute des ehrgeizigen Laurent Fabius und die Getreuen von François Mitterrand. Widerspruch muß der Premier von diesen Ministern kaum befürchten, was die oberste Sphäre der Macht allen profanen Problemen aber noch weiter entrücken dürfte.