Von Gunter Hofmann

wenn es seinen „Intensitätsgrad“ verändere, wenn verallgemeinerungsfähige Interessen entstünden.

Dann ist Politik entschieden mehr als die Kunst des Möglichen. Aber ob der Ort des Politischen, den Kluge und Negt meinen, wirklich von einer breiteren Öffentlichkeit betreten werden könnte? Ob ihr Vertrauen in das Unterscheidungsvermögen die Sprach- und Diskursfähigkeiten von uns politisch-unpolitischen Zuschauern oder Beobachtern nicht übersteigt?

Ob die Neulektüre des „Kapital“ von Karl Marx beim Unterscheidungsvermögen wirklich weiterhilft? Ich frage ja nur.

Aber gleich kann man wieder mit Kluge und Negt dagegenhalten, die keineswegs blind vom Katheder herab das wahrhaft Politische und die wirkliche Wirklichkeit verkündigen. Sie locken hinein in ihren eigenen Lernprozeß.

Auch die Linke habe ihre Begriffe zuwenig zur Veränderung der Verhältnisse gebraucht, sie vielmehr „als leblose Substanzformeln aufbewahrt“. „Je hohler die Orthodoxie der politischen Begrifflichkeit war, desto rabiater wird sie jetzt von denen verabschiedet, die ihre Zitierfabrik zu geistigen Immunisierungsbastionen ausgebaut hatten.“ Auch der Sozialismus, fügen die beiden im übrigen hinzu, habe jetzt seine Schädelstätten. Wie wahr!

Kaum hat man sich also am Rande notiert, es sei ein bißchen viel und unverdrossen von „kämpfen“, „Mehrwert“ und „Zirkulationssphäre“ die Rede – da möchte man auch schon wieder alles zurücknehmen. Weil es Kluge und Negt nämlich gelingt, jenseits aller Orthodoxie zu argumentieren und abseits aller Konventionen zu schreiben.