Kaum im Amt, hat der neue Bundesverteidigungsminister Volker Rühe schon seinen ersten Fehler gemacht. Forsch und fast schon kategorisch verkündete er: „Dieses Ministerium ist führbar.“

Ganz abgesehen von der Ohrfeige für seinen gerade gestolperten Vorgänger, wird Rühe sich noch wundern, wie wenig die Hardthöhe in ihrem gegenwärtigen Zustand führbar ist. Das Verteidigungsministerium stinkt seit langem vom Kopf her: Die Führungsspitze ist zu klein.

Einige wenige Zahlen verdeutlichen die Problematik: Das Verteidigungsministerium mit etwa 5000 Beschäftigten im Kernbereich der Hardthöhe, 475 000 Soldaten und 194 000 Zivilisten in den nachgeordneten Dienststellen wird von einem Minister, zwei Parlamentarischen sowie zwei beamteten Staatssekretären geführt. Kein Konzern in der Größe des Verteidigungsministeriums, der jährlich mehr als fünfzig Milliarden Mark umsetzt und über ein Einkaufsvolumen von etwa zwanzig Milliarden gebietet, wird von einer so winzigen Leitungsspitze gelenkt. Sechs bis sieben Vorstandsmitglieder sind die Regel. Der Daimler-Konzern mit weltweit 375 000 Mitarbeitern hat allein in seiner Holding neun Vorstandsmitglieder.

Die Anzahl von Führungskräften allein ist allerdings noch keine Gewähr für die Qualität von Lenkung, wenn die jeweiligen Verantwortungsbereiche für Verwaltung, Personal, Produkte, Entwicklung oder Finanzen nicht eindeutig zugeordnet sind, wie es im Verteidigungsministerium der Fall ist. Während die beamteten Staatssekretäre zu viele Aufgaben haben, sind Zuständigkeiten und Weisungsrechte der Parlamentarischen Staatssekretäre unpräzis.

Die schlechte Figur, die der mit Stoltenberg automatisch ausgeschiedene Staatssekretär Ottfried Hennig bei der jüngsten Panzeraffäre gemacht hat, belegt die organisatorisch eingebaute Inkompetenz bilderbuchhaft. Einerseits vertrat Hennig den Minister im Haushaltsausschuß, als der die Panzerlieferung in die Türkei stoppte, andererseits konnte er sich durchaus zu Recht darauf berufen, für die Umsetzung von Parlamentsbeschlüssen gar nicht zuständig zu sein. Deshalb hat er seine Weisung, den Haushaltsbeschluß zu vollziehen, nur unpräzis und verbal erteilt.

Was für eine Schlamperei: In einem der wichtigsten Bonner Ministerien mit einem Etat von über fünfzig Milliarden Mark wird ein Beschluß des wichtigsten Parlamentsgremiums mal eben von Mund zu Mund weitergegeben.

Spätestens seit 1982 wissen alle potentiellen Verteidigungsminister, daß sie auf einem Schleudersitz Platz nehmen, wenn sie nicht umsetzen, was der damalige Ressortchef Hans Apel seinem Nachfolger dringend empfohlen hatte: Remedur an Haupt und Gliedern.