Die Kaufofferte aus Moskau hätte eigentlich an den ehemaligen Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg adressiert sein sollen, sie kam jedoch bei Manfred Opel, Verteidigungs-Experte der SPD, an. Gegenstand des Angebots: russische Militärflugzeuge vom Typ MiG-29. Allerdings ist Opel, der die Offene wegen Stoltenbergs Rücktritt nicht mehr rechtzeitig weiterleiten konnte, Urheber der Post aus Moskau. Er drängt die Hardthöhe schon seit Herbst vorigen Jahres, mit den Russen über einen MiG-Ankauf ins Gespräch zu kommen.

Nachdem die Bonner Militärs erst einmal ablehnten, informierte sich Opel vor Ort über die MiG-Flugzeuge. Er war von den Möglichkeiten für die Bundesluftwaffe so überzeugt, daß er die Russen animierte, ihrerseits bei Stoltenberg aktiv zu werden. Jetzt will Opel versuchen, Stoltenbergs Nachfolger Volker Rühe für eine rundum bestechende Idee zu gewinnen. Er schlägt vor, 200 MiG-Frontflieger inklusive Ersatzteile für zwanzig Jahre zu kaufen. Die MiG sollte die überalterte F-4 ersetzen, die zu laut, zu teuer und zu umweltschädlich ist. Opel: „Mit der Realisierung des Plans gewinnen wir bei uns ausreichend Zeit für Entscheidungen über ein neues europäisches fliegendes Luftwaffensystem, denn der Jäger 90 wird das nicht sein.“

Auch der Preis des MiG-Handels scheint zu stimmen: vier Milliarden Mark. Außerdem hat das Geschäft einen ganz besonderen Charme. Der Ankauf von 200 Flugzeugen inklusive Ersatzteilen trägt zur Abrüstung in Rußland bei. Die deutsche Luftwaffe bekäme ein anerkannt gutes Flugzeug, sie wäre nicht einmal von weiteren Zulieferungen abhängig. Die Ersatzteile werden ja gleich mitgekauft.

Ferner sollen die Russen kein Bares bekommen; das Geld sollen vielmehr ostdeutsche Bauunternehmen für den Wohnungsbau in Rufland erhalten, ein nachgerade einzigartiges Konjunkturprogiamm für die neuen Bundesländer, das auch den GUS-Staaten bei der Unterbringung ihrer Soldaten und Offiziere helfen würde.

Der Deal verspricht sogar der deutschen Irdustrie einen angemessenen Anteil. Opel: „Die MiG-29 muß natürlich zuverlässiger gemacht werden, außerdem müssen die europäischen Waffensysteme angepaßt werden. Das kann die deutsche Industrie machen.“ Einen potentiellen Verbündeten dürfte Opel in dem FDP-Abgeordneten Carl-Ludwig Thiele haben, der mit ähnlichen Gedanken schwanger geht und sich als erster Bundestagsabgeordneter demnächst in eine MiG seizt, um sich persönlich von der Qualität des Fliegers zu überzeugen. Sollte Rühe schon nicht anbeißen, dem notleidenden Bonner Finanzminister Theo Waigel müßte die Offene wie ein Geschenk des Himmels vorkommen; der Handel würde ihm eine Menge Geld sparen.

Eine engere Zusammenarbeit mit Rußland sieht auch eine Initiative vor, die von den SPD-Abgeordneten Josef Voosen und Lothar Fischer vorgeschlagen wurde. Voosen und Fischer plädieren dafür, daß Rußland der Europäischen Weltraumagentur ESA beitritt. Voosen: „Die Russen verfügen über fast alles, was die ESA erst noch entwickeln will.“ Die Ausgangslage für eine derartige Zusammenarbeit sei außerordentlich günstig, meint Voosen. Westeuropa sei angesichts der finanziellen Belastung durch Osteuropa ohnedies zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen und müsse das Raumfahrtprogramm erheblich reduzieren.

Nach Informationen der Abgeordneten plant die ESA, die europäischen Raumfahrtprojekte zu strecken. So soll unter anderem das ehrgeizigste ESA-Projekt, die Raumfähre Hermes, auf ein unbemanntes Projekt herunterdefiniert werden. Der finanzielle Fehlbetrag der ESA wird von Fischer auf rund fünf Milliarden Mark geschätzt. Die ESA müsse sich so rasch wie möglich vom Prinzip der westeuropäischen Weltraum-Autonomie verabschieden. Voosen: „Alles andere ist Traumtänzerei.“ Angesichts der vorhandenen russischen Hardware mache es überhaupt keinen Sinn mehr, wenn die Europäer nach den USA und der ehemaligen Sowjetunion nun „das Rad zum dritten Mal erfinden“. Ein weiteres Argument von Voosen: „Es wäre nicht zu verantworten, wenn die zivile Raumfahrtinfrastruktur der Russen mangels westlicher Unterstützung über kurz oder lang in sich zusammenfällt. Dabei sollten wir auch die Proliferationsgefahren bedenken, die durch Abwanderung der russischen Raketenspezialisten zunehmen könnten.“