Mit diesem Motto beginnt Evelyn Holsts Roman „Ein Mann für gewisse Sekunden“: „Frauen mögen die einfachen Dinge des Lebens – Männer“. So einfach sind Männer dann doch nicht, nicht im wirklichen Leben und nicht im Buch. Das bekommen die drei weiblichen Hauptfiguren des Romans zu spüren. Sie stecken in völlig verschiedenen Lebensphasen und verstricken sich dennoch in jenem Geflecht aus Hoffnungen, Enttäuschungen und unerfüllten Sehnsüchten, das wir so scheinbar neutral „Beziehungen“ nennen. Die erfolgreiche Journalistin Jenna ist mit 35 Jahren und einer langen Reihe unglücklicher Liebschaften auf der Suche nach dem potentiellen Vater für ihr noch ungezeugtes Kind. Ihre Schwester Marie ist fünf Jahre jünger, hat es auf einen Mann und drei Kinder gebracht – und leidet unter ihrem lau gewordenen Eheleben. Anneliese hingegen, die Mutter der beiden, erblüht mit 59 zu ungekannter Leidenschaft, weil sie sich in einen fast 20 Jahre jüngeren Mann verliebt hat. Die Autorin schreibt leicht und unverkrampft über das schwierige Verhältnis der Geschlechter: mit einem kleinen Hauch von Verachtung für Männer zwar, aber nicht ernsthaft feindselig und ohne jede feministische Verbissenheit. Da geht es um Samenspender und vorgetäuschte Orgasmen, um Sexaffären und -intrigen und manchmal auch um Liebe. Die Geschichte spielt im Journalistenmilieu, wo sich Evelyn Holst, sie ist Reporterin beim stern, bestens auskennt. Der Stil ist eher journalistisch als literarisch. So wird der „Mann für gewisse Sekunden“ (Droemer Knaur Verlag, München 1992; 223 S., 34,– DM) zum Buch für gewisse Stunden: leichte Unterhaltung für die Abende, an denen man allein im Bett liegt und sich so komplizierten Dingen wie Sex und Liebe nicht unbedingt auf philosophisch-ernsthaftem Niveau stellen mag. Kornelia Dietrich