Von Thomas Wengenroth

Mickymaus ist eine Institution. Ihre Geschichten wurden in 283 Sprachen übersetzt – häufiger als Lenin, Marx und Goethe und sogar die Bibel. Heute steht die Maus für eine der größten Unterhaltungsfabriken der Welt: die Walt Disney Company. Für 6,2 Milliarden Dollar im Jahr verkauft der Konzern Unterhaltung und Zeitvertreib – ein Imperium der guten Laune.

Als Michael Damman Eisner 1984 Chairman und Chief Executive Officer bei Disney wurde, steckte der Konzern in einer ernsten Krise – ein Kandidat für die Übernahme durch fremde Firmen. Eisner bewahrte Disney nicht nur die Unabhängigkeit, er brachte das Mäusereich auf Wachstumskurs. In den vergangenen acht Jahren hat sich der Umsatz der Walt Disney Company beinahe versechsfacht, der Gewinn verzehnfacht. Der Börsenwert stieg von zwei auf achtzehn Millionen Dollar.

Doch die Rezession in den USA hat den Höhenflug gebremst. Nach stürmischen Wachstumsjahren mußte der mittlerweile erfolgsverwöhnte Konzern 1991 erstmals Einbußen hinnehmen: Der Gewinn von Disney sank um 26 Prozent, das Umsatzwachstum fiel im Vergleich zu den Vorjahren mager aus. Vor allem in seinem Heimatland stößt das Mickymaus-Imperium an seine Grenzen. Der Markt ist abgegrast.

Daß den Amerikanern das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt wie in den vergangenen Jahren, bekommen vor allem die Disney-Parks in Kalifornien und Florida zu spüren. Hier gab es Gewinneinbußen um über dreißig Prozent. Die Disney-Parks sind jedoch die Hauptstützen des Unternehmens. Dort wird ein Drittel des jährlichen Umsatzes erwirtschaftet. Zum Gewinn in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar tragen sie mehr als die Hälfte bei.

Doch nicht nur die wirtschaftliche Talfahrt hat die Geschäfte beeinträchtigt. Die schiere Größe des Konzerns und dessen rigoroses Geschäftsgebaren haben an dem einst kinderfreundlichen Image gekratzt. Eisner gilt als knallharter Manager, für den Kommerz und Spaß wenig miteinander zu tun haben. So ließ er gar Kindergärten mit Schadensersatzforderungen überziehen, weil sie Disney-Figuren an ihre Wände gemalt hatten. Die amerikanische Öffentlichkeit war empört. Und Eisners gewaltiges, erfolgabhängiges Jahresgehalt von bis zu vierzig Millionen Dollar konnte die Kritiker kaum freundlicher stimmen.

Nun muß sich das Fun-Unternehmen auch noch den Vorwurf gefallen lassen, seine Marktstellung rücksichtslos auszunutzen. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes warf dem Mickymaus-Imperium kürzlich vor, nach sechs Jahrzehnten „fettgefressen, arrogant und paranoid“ geworden zu sein. Sidney Sheinberg, der Vorsitzende des Medienkonzerns MCA, setzt noch eins drauf: „Die nette Maus hat sich in eine gefräßige Ratte verwandelt.“ Diese Anfeindungen lassen Eisner kalt, er sieht in Sheinbergs Anwurf eher „ein Kompliment“.