Nach beispielloser Expansion droht das Imperium des sozialdemokratischen Unternehmers außer Kontrolle zu geraten

Von Dietmar H. Lamparter

Ein derartiges Ansinnen war den Chefs der Treuhandanstalt bislang noch nicht untergekommen. Wenn die Berliner Behörde dem neuen Unternehmenskonzept nicht zustimmen wolle, könne sie die im vergangenen Sommer privatisierte Plauener Spitze GmbH gerne zurückhaben, teilte der Erwerber, die Pfersee-Kolbermoor AG aus Augsburg, Anfang März lapidar mit.

Bei der Treuhand, der sächsischen Landesregierung und vor allem bei der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB) klingelten sämtliche Alarmglocken. Sollte der Verkauf des sächsischen Traditionsunternehmens, der als Hoffnungssignal für die Sorgenbranche Textil in den neuen Bundesländern galt, etwa nur ein Spekulationsgeschäft gewesen sein? Ging es den Käufern in Wirklichkeit nicht um den Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern nur um die wertvollen, Firmengrundstücke?

Kräftig übers Ohr gehauen

Die Vermutung lag nahe. Denn hinter dem Textilkonzern Pfersee-Kolbermoor steht als Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratschef der Unternehmer Claus Wisser aus Frankfurt am Main. Wenn ein Unternehmer in Deutschland das abgegriffene Attribut Tellerwäscherkarriere verdient, dann sicherlich Claus Wisser. Vor 27 Jahren hat er bei Null angefangen. Heute kontrolliert er ein Firmenreich mit rund 1,3 Milliarden Mark Umsatz. Mehr als 26 000 Menschen arbeiten in über fünfzig Wisser-Firmen. Und der rührige Hesse geriet schließlich gerade in jüngster Zeit öfters in Verdacht, daß bei seinen lukrativen Geschäften nicht immer alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Erst Ende vergangenen Jahres hatte die Treuhand-Oberen die Nachricht aufgeschreckt, daß die Anstalt beim Verkauf der Geräte-und Reglerwerke Teltow (GRW) im Osten Berlins zum symbolischen Preis von einer D-Mark an eine Wisser-Firma kräftig übers Ohr gehauen worden sei. Die auf bis zu 270 Millionen Mark geschätzten Immobilien seien bei weitem nicht ausreichend im Vertrag berücksichtigt worden, hieß es damals.